Sport : Ein Glas Bowle beim Return

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AM NETZ PASSIERT

Martín E. Hiller über Bahnschranken und fehlende Muskelmasse

Jimmy Connors, der alte Kämpe, hat vor neun Jahren, als er selbst schon die 40 passiert hatte, der damaligen Weltranglistenersten Monica Seles angeboten, um die Summe von einer Million Dollar gegen sie zu spielen. Der Kampf der Geschlechter kam nie zustande, doch im Raum blieb die Frage: Wie konnte sich der Ami so sicher sein, die stöhnende Schlagmaschine zu besiegen?

Anhaltspunkte zur Lösung bietet heute ein Blick auf den Trainingsplatz. Dort bereitet sich Francesca Schiavone auf ihren Einsatz im Doppel vor. Ihr Trainer legt ihr halbhohe Volleys und nicht wirklich schwere Überkopfbälle auf, die sie ihm um die Ohren hauen soll. Doch wenn die Übung den Zweck hatte, das Selbstbewußtsein der Profispielerin zu stärken, dann hat sie ihr Ziel verfehlt. So viel Kraft die Italienerin auch in jeden Flugball legt - wenn der Übungsleiter die Filzkugel zurückspielt, sieht er immer so aus, als könnte er nebenbei ein Glas Bowle trinken.

Die Signora Schiavone mag mir vergeben, es geht hier nicht um vorschnell-gedankenlosen machismo, sondern um die rein sportwissenschaftliche Erkenntnis: Bei aller Athletik und Präzision in ihrem Spiel haben Damen naturgegeben nicht die Muskelmasse, um so schnelles Tennis wie ihre männlichen Artgenossen zu zelebrieren. Selbstverständlich erbringe ich den empirischen Beweis: Bei der Partie Mary Pierce gegen Mariana Diaz-Oliva konterte Pierce den jeweils - na gut, zweiten - Aufschlag der Argentinierin mehrmals mit einem Stop. Ein Stopball auf einen Aufschlag! In einem Grand Prix-Turnier!

Da muß die Erinnerung aufkommen an eigene Versuche im Jugendtennis, als wir den Einwurf des Gegners als Drei-Minuten-Ei oder Bahnschranke abqualifizierten. Gut, unser Service hat nicht gerade die 200 km/h überschritten. Aber wir haben auch nicht um Weltranglistenpunkte gezockt.

Geschweige denn um eine Million Dollar.

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