Sport : Ein Golfer steht im Regen

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Muirfield (dpa). In einem gewaltigen Regensturm über Ostschottland hat Tiger Woods gestern bei der 131. British Open Championship den größten Einbruch seiner Profikarriere erlebt. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 50 Kilometer pro Stunde verlor der 26-jährige Weltranglistenerste aus Kalifornien zeitweilig völlig die Orientierung und stürzte nach einer 81er Runde mit 222 Schlägen (71+70+81) vom 9. bis in das letzte Drittel der 82 Mitkonkurrenten ab.

Sieben Bogeys und zwei Doppelbogeys standen neben einem einzigen Birdie auf der Scorekarte, als Woods völlig deprimiert von dem Par-71-Kurs in Muirfield schlich. So schwer war der beste Golfspieler der Welt zuletzt nicht einmal 1997 bei den Australian Open (79 Schläge) oder als Amateur 1995 bei den British Open in St. Andrews (78) eingebrochen. Völlig entnervt von Wind und Regen hatte Woods die Bälle kreuz und quer über den Platz getrieben. Immer wieder landeten sie im Bunker oder im hüfthohen Gras.

Mit aschfahlem Gesicht spielte Woods wie in Trance und schien die Realität gar nicht mehr wahrnehmen zu wollen. Zwischendurch griff er sogar statt des Putters zum Eisen, um den Ball ins Loch zu schieben. Solche Blößen hatte der weltbeste Golfprofi sich noch nie gegeben. Erst am 17. Grün fand Woods wieder zu seinem Humor. Als ihm das einzige Birdie der Runde gelang, riss er die Arme hoch und verbeugte sich vor dem geduldig mit leidenden Publikum.

Profitieren konnte von den vorübergehend irregulären Verhältnissen unter anderem Bernhard Langer, der noch bei Sonnenschein seine bisher beste Runde mit 71 abschließen konnte. Nach 215 Schlägen war der 44-Jährige bis zum Mittag noch auf Rang 66 zurückgefallen. Dabei hatte er sich mit vier Birdies auf den ersten neun Löchern in eine gute Lage gebracht. „Es lief einfach super, das beste Spiel seit Wochen, und dann dieser Knacks“, ärgerte sich Langer über den Fehler am 10. Grün, als der Ball am Lochrand entlang lief, aber nicht hinein fiel. Das wiederholte sich auch am 15., als Langer nach falscher Schlägerwahl wütend den Ball weg warf: „Man kann sich keine Fehler leisten, ich hatte mich nicht im Griff.“ Als aber der Regen einsetzte, die Fernseh-Kräne im Wind schwankten und die Hosen der Spieler in den Böen flatterten, rutschte der 44-jährige Schwabe Rang um Rang bis auf Platz 39 nach oben. Die 30 000 Zuschauer dagegen flüchteten in Scharen aus der aufgeweichten Dünenlandschaft. Nach dem Reglement wird das Turnier erst unterbrochen, wenn die Grüns unter Wasser stehen. Nach zwei Stunden war der Dauerregen aber vorbei.

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