Sport : Ein Golfturnier als Familienangelegenheit

SEBASTIAN ARLT

Doch bei den Langers herrscht in Motzen keineswegs nur eitel SonnenscheinSEBASTIAN ARLT MOTZEN.Das kleine Mädchen strahlt übers ganze Gesicht, wenn es an der Wand mit den Ergebnissen, dem sogenannten Leaderboard, Täfelchen mit möglichst niedrigen Zahlen hinter den Namen ihres Papas hängen kann.Ab und an gestärkt durch einen Schluck Cola, erledigt die elfjährige Jackie Langer ihre Aufgabe souverän.Ihr Vater, Golfprofi Bernhard Langer, der Star bei den German Masters in Motzen, kann sich auf seine Älteste verlassen.Langers vor und hinter den Kulissen - Bernhard ist natürlich das sportliche Aushängeschild, gemeinsam mit seinem Bruder Erwin, dem Turnierleiter, fungiert er als Veranstalter.Erwin Langers Tochter Martina wirbelt im Pressezentrum, Bernhards und Erwins Schwester Maria macht im Turniershop Kasse.Auch Mutter Wallburga und Vikki, Bernhards Frau, sind da, kümmern sich um Jackies Geschwister Stefan (7) und Christina (4). Ein Golfturnier als Familienangelegenheit.Für Bernhard Langer, der seit Jahr und Tag einen Großteil des Jahres rund um die Welt unterwegs ist, um einzulochen, ist es natürlich etwas ganz besonderes, den Clan um sich zu haben."Die Familie hat Priorität in meinem Leben." Die "Firma Langer": Zwar hatte sich Erwin (47), zum Ende seines "normalen" Berufslebens zum Prokuristen einer Augsburger Baumaschinenfirma aufgestiegen, schon immer um die finanziellen Belange seines sieben Jahre jüngeren Bruders gekümmert, doch 1986 kam der Umstieg.Ein "wenig mulmig" sei ihm schon dabei gewesen, gibt Erwin Langer zu, den sicheren Job aufzugeben und ganz in die "gefährliche Szene Sportmanagement" - Segment Golf - zu wechseln.Management von Profis, Organisation von events, wie das so schön heißt, Planung und Bau von Golfplätzen - die Langers sind eine feste Größe im Geschäft.Ihre German Masters sind unumstritten das bestbesetzte der vier deutschen Turniere auf der PGA European Tour.Die Verhältnisse auf dem Platz und rund ums Gelände des Berliner Golf und Country Clubs am Motzener See sind nahezu optimal, das Turnier wird in der Szene hochgeschätzt. Doch von eitel Sonnenschein kann bei der "Firma Langer" in diesen Tagen nicht die Rede sein.Das verbindliche Lächeln im Gesicht von Bernhard Langer verschwindet schlagartig, wird er auf die geringe Zuschauerresonanz beim Turnier angesprochen.Natürlich war zum Auftakt am Donnerstag, beim Auftakt, das Wetter nicht gerade gut, aber er sei schon "etwas überrascht", wie wenige ihn und die anderen 101 Profis über die Bahnen begleitet haben."Es gibt eben wohl wenige, die den Weg aus dem ehemaligen Westen hierher machen", meint er.Eine nicht nur für ihn bittere Wahrheit. The same procedure as every year.Bei etwa 25.000 Zuschauern hat sich der Besucherschnitt eingependelt, seit die Langers 1994 mit ihrem Turnier nach Brandenburg gekommen sind.Sieben Jahre lang hatten die Masters zuvor in Stuttgart-Mönsheim stattgefunden.25.000 - zwar sind Zuschauereinnahmen im Budget sowieso nur ein eher kleiner Posten, aber um sich auf dem Markt weiter optimal positionieren zu können, braucht man allein schon wegen der Außenwirkung viel größeren Zuspruch. Man merkt Erwin Langer die Unzufriedenheit an.Schon im Vorfeld hatte er klar und deutlich erklärt: "Gerne würden wir in Motzen blieben, aber wenn es keinen Zuschauerboom gibt, wird das wohl nicht möglich sein." Seine Schmerzgrenze ist erreicht.Mit dem Turnier 1997 läuft der Vertrag mit dem Club aus, über den Weggang der Langers nach Westdeutschland wird bei Insidern gesprochen, als sei dieser schon beschlossene Sache.Spätestens im November soll entschieden werden.Die Sponsoren (der Vertrag mit Titelsponsor Linde läuft noch bis zum Jahr 2000) werden da natürlich ein Wörtchen mitsprechen. Was nutzen die optimalen Bedingungen auf dem Gelände, wenn das Turnier nicht angenommen wird? Alles hat man versucht, um es den Besuchern möglichst kommod zu machen: Ein Zug fährt mehrere Male am Tag aus Berlin direkt zum Platz, die Eintrittspreise sind moderat, Jugendliche unter 18 Jahren müssen überhaupt nichts bezahlen, kleine Kinder werden betreut, man hat für Zuschaueraktivitäten gesorgt, organisiert Gewinnspiele.Doch für einen Boom kann das alles offensichtlich nicht sorgen.Und Erwin Langers Miene hellt sich auch nicht gerade auf, wenn er zum wolkenverhangenen Himmel schaut oder mitansehen muß, daß der Zug wieder einmal nur wenige Interessierte ausspuckt.Seine Laune verbessert sich auch nicht dadurch, daß die brandenburgische Polizeigewerkschaft sich über Einsätze von Beamten rund ums Turnier beschwert hat (die das Potsdamer Polizeipräsidium jedoch als notwendig verteidigt hat). Erwin Langer hadert mit der einheimischen Wirtschaft, die sich sehr bedeckt hält, mit Medien, die seiner Meinung nach nicht im nötigen Umfang über das Topereignis berichten.Doch es ist nicht die Schuldfrage zu klären.Fakt ist: In der Region fehlt es am entsprechenden Interesse.Da nutzt es auch wenig, wenn Bernhard Langer so gut spielt, daß die kleine Jackie dauernd strahlt, wenn sie die Täfelchen aufhängt.

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