Sport : "Ein Gradmesser für die deutsche Leichtathletik"

KLAUS-PETER NOWACK ist der Organisationsleiter für die Leichtathletik-Festtage in Berlin.Der 41jährige arbeitet in der Geschäftsleitung des Berliner Leichtathletik-Verbandes, der im Auftrage der Verbandszentrale in Darmstadt die Doppel-Titelkämpfe im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg ausrichtet.

TAGESSPIEGEL: Berlin ist demnächst Leichtathletik-Hauptstadt - als Gastgeber der Deutschen Jugendmeisterschaften vom 26.bis 28.Juni und der Erwachsenen-Titelkämpfe vom 3.bis 5.Juli.Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

NOWACK: Das für etwa zehn Millionen DM renovierte Jahn-Stadion ist ein Schmuckkästchen gworden.Nun wohl eine der schönsten Wettkampfstätten für Leichtathletik in Deutschland: neue Schalensitze für knapp 20 000 Zuschauer, neuer Zielrichterturm, Farbauffrischung für die zwei Jahre alte Laufbahn.Technisch auf dem neuesten Stand sind die Stabhochsprunganlage, Zeitmeßtechnik, Zuschauerinfos.Allein bei den Jugendlichen erwarten wir samt Betreuern rund 2300 Gäste.Bei den Großen kommen 1200 Aktive aus etwa 300 Vereinen.

TAGESSPIEGEL: Wo liegt der besondere Stellenwert der Meisterschaften?

NOWACK: Natürlich darin, daß sich vor 100 Jahren die deutsche Leichtathletik als Verband in Berlin konstituiert hat.Deshalb die kompakte Präsentation des Nachwuchses bis zur Spitze, umrahmt von Festlichkeiten und Breitensport.Das Geschehen darf man als Gradmesser für die Position der deutschen Leichtathletik ansehen.Wenn es uns nicht gelingt, die Zuschauer ins Stadion zu locken, dann muß der Verband an der Jahrtausendwende über seine Konzepte ernsthaft nachdenken.Mitgliederrückgänge bei den Heranwachsenden, Probleme in den Vereinen und bei Sportfesten - siehe Aufgabe in Köln und die Zuschauerpleite beim DLV-Meeting in Dortmund - sind ernsthafte Signale.Zudem hat sich IAAF-Präsident Primo Nebiolo angesagt.Er will sich ein Bild verschaffen, ob Berlin ein geeigneter Kandidat für die WM 2007 sein könnte.

TAGESSPIEGEL: Was hat man in punkto Werbung getan?

NOWACK: Trotz des vergleichsweise geringen Etats von 100 000 DM dafür soviel wie wohl für diesen Zweck noch nie.Die Werbekampagne lief in drei Wellen - im Januar, im April und jetzt.Mit Plakatierung in der Stadt, in den S-Bahnen und Zeitungen, Werbespots in Radiosendern, Hinweisen in allen DB-Zügen und auf Bahnhöfen, auf 5,4 Millionen Bauhauswerbungen.Wir haben auch die Kartenpreise niedrig gehalten.

TAGESSPIEGEL: Wie sind diese?

NOWACK: 10 bis 30 Mark für Normalbesucher.Die sind an allen S-Bahnhöfen mit Fahrkartenschalter sowie über die Hotline 3069 6969 erhältlich und ermöglichen kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.Kartenbesitzer bekommen zudem Rabatt beim Kartenkauf für die Open-Air-Konzerte auf dem Gendarmenmarkt.Die Zeitpläne sind so gestaltet, daß die Hauptwettkämpfe nicht mit den WM-Spielen der deutschen Elf am 4.Juli kollidieren.

TAGESSPIEGEL: Was gehört zum Rahmenprogramm?

NOWACK: Ein City-Night-Lauf mit 3000 Startern, der Treppenlauf über 784 Stufen hoch zum Fernsehturm, ein Fun-Athletic-Programm mit 15 deutschen und zwei englischen Schulen, der Festakt am 4.Juli im Roten Rathaus mit dem Vortrag des Rhetorik-Professors Walter Jens, am Abend eine Gala und 100-Jahre-Rückschauim "Maritim" mit rund 800 Gästen inclusive 41 deutscher Leichtathletik-Olympiasieger.Dafür gibt es übrigens zum Preis von 50 DM Karten über den BLV/Telefon 3051 771 oder über die Agentur Event office/Telefon 8856 0222.

TAGESSPIEGEL: Welche Meisterschafts-Aussichten haben die Berliner Spitzenathleten?

NOWACK: Ganz gute, denn die Berliner Leichtathletik ist nicht so schlecht wie manche meinen.Titelaussichten kurz vor der EM in Budapest haben: Speerwerferin Tanja Damaske, Hochspringer Martin Buß, Weitspringer Emanuel Prah, 5000-m-Läuferin Uta Pippig, Geher Andreas Erm, 1500-m-Läuferin Carmen Wüstenhagen.Aber vielleicht schaffen die Medaillenaspiranten Ole Hertel mit der Kugel, Hürdensprinter Mike Fenner, Geher Axel Noack, Langstrecklerin Laura Suffa sogar Überraschungen.

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