Sport : Ein Grenzfall

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Erik Eggers über das zweifelhafte Anti-Doping-Engagement von Adidas

Konziliant im Ton, hart in der Sache. So liest sich das Statement, mit dem Adidas das Ende seiner Geschäftsbeziehung zu Jan Ullrich verkündet. Der Sportkonzern distanziert sich darin „von jeglichen Dopingaktivitäten“, bezieht nach eigenen Worten „eine eindeutige Position zum Thema Doping und Dopingmissbrauch". Ullrich entgehen dadurch exakt 1,2 Millionen Euro. Das schmerzt auch Millionäre, keine Frage. Mehr als die sechsmonatige Sperre durch den Bund Deutscher Radfahrer, die angesichts seiner Knieverletzung lächerlich wirkte.

Adidas gilt als Pionier im Sportsponsoring. Bei dem Sieg der Herberger-Elf 1954 in Bern sorgte der findige Schuhhersteller dafür, dass die Deutschen, als Einzige versorgt mit Schraubstollen, festen Grund auf glitschigem Rasen bekamen. Danach tat der umtriebige Firmenchef Adi Dassler vor Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften alles, damit die besten Sportler in seinen Produkten antraten. Früher waren es auch Dasslers Kontakte zu Fifa-Präsident Havelange und IOC-Präsident Samaranch, die den Leistungssport zu dem machten, was er heute ist: ein großes Geschäft. Adidas ist kein Tante-Emma-Laden im Sport, sondern ein Global player. Die Worte aus Herzogenaurach werden im Weltsport vernommen.

Doch ist diese Firmenphilosophie so konsequent, wie sie wirkt? Der Blick auf andere Partner verrät: nur bedingt. Schon die Tatsache, dass auch die Tennisspielerinnen Anna Kurnikowa und Martina Hingis für viel Geld in drei Streifen antreten, ist ein Grenzfall. Die Tennisverbände nehmen Doping nicht wirklich ernst. Kontrollen finden kaum statt, und wenn, dann finden die Ergebnisse oft nicht den Weg an die Öffentlichkeit. Übt deswegen ein Sportartikelhersteller Druck auf die Verbände aus oder zieht sich zurück? Es ist kein Fall bekannt. Auch nicht Adidas. Das ist die Crux der weltweiten Dopingbekämpfung. Dass sie nicht einheitlich ist und dass die Strafen nicht nachvollziehbar sind; jede Nation regelt das für sich.

Adidas beteiligt sich übrigens bislang nicht an der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada. Auch das belegt die Energie, mit der diese Firma gegen Doping kämpft.

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