Sport : Ein großes Team ist geboren

Deutschlands Handballer stehen nach dem 31:31 gegen Jugoslawien im WM-Halbfinale gegen Frankreich

Erik Eggers

Povoa de Varzim. Da lagen sich nun die langen Handballspieler in den Armen, tanzten und jubelten, als wären sie schon Weltmeister. Aber die Euphorie der deutschen Handball-Nationalmannschaft hatte ihre Gründe: Bei diesem 31:31 (15:16) im letzten Hauptrundenspiel gegen Jugoslawien, das den Halbfinaleinzug gegen Frankreich bedeutete, ist eine große Handballmannschaft geboren worden. Eine, die sich auch in kritischen Momenten durchsetzt. „Ich habe den Glauben an meine Mannschaft in keiner Phase des Spiels verloren“, sagte Bundestrainer Heiner Brand erleichtert nach dem Spiel, mit dem sich Deutschland gleichzeitig für die Olympischen Spiele 2004 in Athen qualifizierte.

Vor nur 800 zumeist deutschen Zuschauern in der Halle Municipal von Povoa de Varzim zog Deutschland zunächst auf 8:4 davon. Dann kam eine Schwächeperiode. Dass sich bis zur jugoslawischen 16:15-Führung zur Halbzeit kein Team absetzen konnte, lag indes nicht nur an den Weltklasse-Torleuten Fritz und Sterbik, sondern auch daran, dass die Deutschen ihr gewohntes Kombinationsspiel nicht durchsetzen konnten. Noch in der zweiten Halbzeit lief sie daher lange einem Rückstand hinterher, bis Kapitän Markus Baur einen Siebenmeter zum 28:27 verwandeln konnte. Speziell Pascal Hens und Christian Zeitz erzielten in dieser heiklen Phase wichtige Anschlusstore. „Das macht uns eben so stark, dass alle Spieler Verantwortung übernehmen“, sagte Baur.

Wie sehr sich in diesem Spiel viele Dinge verdichten würden, das war den Spielern und Trainern vorher sehr bewusst gewesen. Denn diese 60 Minuten gegen den einstigen Angstgegner Jugoslawien waren die bisher wichtigsten bei dieser Weltmeisterschaft, sie entschieden darüber, ob Heiner Brands Mannschaft sich tatsächlich als das entpuppt, was sie seit WM-Beginn sein wollte: ein großes Team.

Die Deutschen haben auch bewiesen, dass sie stark genug sind, den Fluch der Geschichte zu besiegen. Wie oft hatten sie zuletzt verloren, als es bei großen Turnieren in vergleichbaren Phasen hart auf hart ging. Vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Ägypten waren sie als Favorit im Viertelfinale gegen eben jene Jugoslawen mit 21:22 unterlegen, ein Jahr später, bei den Olympischen Spielen in Sydney, verloren sie mit dem letzten Wurf mit einem Tor gegen Spanien, und 2001 in Frankreich scheiterten sie in der Runde der letzten acht in der Verlängerung mit 24:26 an Frankreich.

Immer wieder hatte Brand in den letzten Wochen betont, dass die Mannschaft sehr viel reifer geworden sei, und dieses Spiel hat die Einschätzung des Bundestrainers nun bestätigt. Nun spekuliert sie bereits auf den Sieg in einem großen Finale, auf den ersten Weltmeistertitel für Deutschland nach 25 Jahren. Nach dem dramatischen Spiel von gestern erscheint alles möglich.

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