Sport : Ein guter Freund

Ullrichs Rückkehr zu Telekom könnte an Pevenage scheitern

Hartmut Scherzer

Frankfurt (Main). Eigentlich sah es gut aus. Radprofi Jan Ullrich schien kurz vor der Rückkehr zum Team Telekom zu stehen, doch die Verhandlungen zwischen Teamchef Walter Godefroot, seinem ehemaligen Sportlichen Leiter Rudy Pevenage, Ullrichs Manager Wolfgang Strohband und Telekom-Teamsprecher Olaf Ludwig am Flughafen Brüssel endeten gestern ohne Einigung.

Das jetzige Team Telekom wird ab der kommenden Saison den Schriftzug der Tochterfirma „T-Mobile“ tragen. Der neue Sponsor hat dem deutschen Radstar ein Angebot für die kommenden drei Jahre gemacht - „auf den letzten Drücker", wie Ludwig, der Koordinator zwischen Unternehmen und dem Betreiber des Rennstalls, der Walter-Godefroot-GmbH, einräumte. Geradezu rücksichtsvoll hatten die Bonner abgewartet, wie sich die gemeinsame Zukunft von Ullrich und seinem bisherigen Team Bianchi gestaltet. „Es ist doch klar: Kann Bianchi Ullrichs Vorstellungen erfüllen, dann bleibt Jan auch.“ So begründete Ludwig die vornehme Zurückhaltung. Mittlerweile ist die Verpflichtung von Ullrich bei T-Mobile Chefsache. Dem 29-jährigen Wahlschweizer wird neben einem fürstlichen Salär (von 2,5 Millionen Euro pro Saison ist die Rede) vor allem garantiert, was der deutsche Liebling für die nächsten drei Jahre von seinem Team Bianchi forderte: langfristige Planungssicherheit. „Die Zeit der Experimente ist vorbei“, sagte der Tour-Sieger von 1997.

„Der Trend geht zu T-Mobile“, hatte Manager Strohband noch vor den gestrigen Verhandlungen gesagt. Die Rückkehr nach Bonn wäre wohl schon längst über die Bühne, gäbe es da nicht die Feindschaft zwischen den beiden Belgiern Walter Godefroot und Rudy Pevenage, Ullrichs Freund und Sportlicher Berater. Den Vertrauensbruch, als Pevenage über Nacht Telekom verließ und Ullrich zu Coast und ins Chaos folgte, verzeiht Godefroot seinem ehemaligen Sportdirektor nicht. „Nie mehr werde ich mit Pevenage zusammenarbeiten“, sagte der Teamchef. Ullrich will aber nur mit seinem alten Freund und Mentor Pevenage zu T-Mobile gehen.

„Eine Einigung zwischen Godefroot und Pevenage wäre ein Meilenstein auf dem Weg zum Vertragsabschluss mit T-Mobile“, hatte ein Telekom-Sprecher vor dem Treffen gesagt. Doch Godefroot hatte sich nur auf Druck des Sponsors und nach gutem Zureden Ullrichs und Strohbands bereit erklärt, erstmals nach zehn Monaten überhaupt wieder mit Pevenage zu reden.

Pevenage selbst will alles tun, um weiter mit Bianchi zusammenzuarbeiten. „Das ist immer noch möglich, aber die Zeit ist gegen uns“, sagt der Belgier. „Denn ich kann verstehen, dass Jan die Ungewissheit beenden und nicht bis in den Winter unruhig schlafen will.“

Jan Ullrich will bis zum Wochenende die Angebote prüfen und dann entscheiden.

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