Sport : Ein halber Ostverein

Kann Hertha die Rolle von Rostock einnehmen?

Patrick Bauer

Berlin - Wenn Olaf Schubert von den Mitgliedern seines Hertha-Fanklubs spricht, sagt er „Wir paar Hanseln“. In Dresden wird Schubert belächelt, wenn er jeden zweiten Samstag ins Auto steigt, um zwei Stunden nach Berlin zu fahren. Seit 1997 macht er das. Damals war sein einstiger Klub Dynamo Dresden in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht und Schubert hatte mit einem Kumpel das Berliner Olympiastadion besucht. Hertha war auf dem Weg in die Bundesliga. „Wir waren von der Atmosphäre begeistert – und von der Stadt“, sagt er. Und: „Wir wollten endlich wieder erstklassigen Fußball sehen.“ Heute hat Schubert eine Dauerkarte. Er sagt: „Vielleicht kommen bald ein paar Rostocker Fans nach Berlin.“ Nach dem fast besiegelten Abstieg von Hansa Rostock ist Hertha BSC immerhin der letzte verbliebene Bundesliga-Verein im Osten Deutschlands.

„Allein geografisch sind wir natürlich ein Ostklub“, sagt Michael Preetz. Als Assistent der Geschäftsführung von Hertha BSC kümmert er sich um das Programm „Hertha hautnah in Brandenburg“: 22 Partnerstädte hat der Verein dadurch gewonnen. Von den 355 Hertha-Fanklubs kommen 60 aus Brandenburg – und je einer aus Sachsen und Sachsen-Anhalt. „Wir freuen uns über jeden Zuschauer, den wir gewinnen“, sagt Preetz. „Aber wir sind in erster Linie ein Verein für Berlin und Brandenburg.“ Manager Dieter Hoeneß verweist darauf, dass bei Heimspielen über 50 Prozent der Zuschauer nicht aus Berlin stammen – und bedauert den Abstieg von Hansa Rostock. „Rostock, Cottbus und Dresden wären mir lieber als Mainz oder Duisburg“, sagt Hoeneß. Immerhin hätten Nord-Ost-Duelle stets Derby-Charakter. Preetz sagt: „Wir haben nun eine Verantwortung gegenüber vielen Fans aus den neuen Bundesländern – und die nehmen wir gerne wahr.“

Olaf Schubert wünscht sich, dass Hertha ein Freundschaftsspiel in Dresden absolviert. „Im Osten liegt der Fußball am Boden – die Leute würden sich freuen.“ Seine Hertha-Gruppe wird aber weiterhin in ein Auto passen, wenn sie nach Berlin fährt. „Man kann das nicht planen, ein Ostklub zu sein“, sagt Schubert. Er nennt Hertha einen „Gesamtberliner Verein“, dann korrigiert er sich: „Ein halber Ostverein“. Immerhin sei „dort 15 Jahre nach der Wende mehr zusammengewachsen als im täglichen Leben“. Mit „dort“ meint Schubert das Olympiastadion.

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