Sport : Ein haltloser Sieg

Wladimir Klitschko gewinnt gegen den Amerikaner Williamson – aber nur, weil er selbst verletzt und der Kampf daraufhin abgebrochen wird

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Las Vegas In der vierten Runde war es wieder einmal so weit. Eine knackige Rechte des Amerikaners DaVarryl Williamson schickte Wladimir Klitschko zu Boden. Zwei Sekunden dauerte es, dann hatte sich der Schwergewichtler aus der Ukraine berappelt und auf die Beinen zurückgefunden. Irgendwie rettete er sich danach bis zum Rundengong. Anschließend bewies der 28-Jährige eine Runde lang Charakter und Stehvermögen. Weil sich ein Cut über dem rechten Auge Klitschkos nach einem unabsichtlichen Kopfstoß von Williamson als zu groß herausstellte, brach Ringärztin Margarte Goodman den Kampf nach Runde fünf ab. Da die Minimalanzahl von vier Runden geboxt war, wurde die zum Zeitpunkt des Abbruchs gültige Kampfwertung für das Urteil herangezogen. Dort lag Klitschko bei zwei der drei Punktrichter (49:46, 49:46, 47:48) in Führung. Wladimir Klitschko wurde zum Abbruchsieger erklärt.

4000 Zuschauer waren in das Amphitheater des Casinos Caesars Palace in Las Vegas gekommen; sie verließen den Ort des Kampfes unzufrieden. Auf viele Fragen konnte Klitschko, der zweimal in den vergangenen eineinhalb Jahren schwer k. o. gegangen war, keine Antwort geben. Zu welcher Leistung ist er tatsächlich fähig? Hat er die Knockouts wirklich verarbeitet und überwunden? Kann er wieder um einen WM-Titel boxen? Besonders glücklich sah der Gewinner nach seinem 43. Sieg im 46. Fight nicht aus. Das Gesicht war ramponiert, das Lächeln fiel ihm schwer.

„Ich habe einen Schritt nach vorn gemacht. Allerdings nicht so weit, wie ich wollte“, sagte Klitschko. „Mit dem Ergebnis bin ich natürlich zufrieden, ich hätte mir aber einen klareren Sieg gewünscht.“ Seine linke Augenpartie war grün und blau angeschwollen, und über dem rechten Auge musste eine fünf Zentimeter lange Risswunde geklammert werden.

Dabei hatte der auf zehn Runden angesetzte Aufbaukampf gegen den acht Jahre älteren Amerikaner für den früheren Weltmeister gut begonnen. In der zweiten Runde traf er seinen Gegner zweimal hart am Kopf, wenig später zeigte eine Rechts-links-Kombination ans Kinn Williamsons deutliche Wirkung. Doch 40 Sekunden nach Beginn der vierten Runde brachte der erste echte Treffer des Amerikaners den Ukrainer aus dem Konzept. Den Niederschlag führte Klitschko hinterher auf einen „Flüchtigkeitsfehler“ zurück. Williamson sah das anders: „Der Treffer bewies, dass ich auf dem Weg zum Sieg war. In der vierten Runde atmete Klitschko heftig wie ein Rhinozeros. „Ich bin mir sicher, spätestens in Runde sieben hätte ich ihn umgehauen.“

Auch Wladimirs Bruder Witali Klitschko hatte sich einen besseren Kampf seines fünf Jahre jüngeren Bruders gewünscht. „Doch er hat gewonnen und hat dabei Herz gezeigt. Er hat kein Glaskinn. Ich bin glücklich, dass er nicht nach Hollywood muss“, sagte Witali. Im Falle einer Niederlage wollte er Wladimir raten, Schauspieler zu werden.

„Jetzt will ich möglichst schnell wieder boxen und meinen Weg fortsetzen“, sagte der Sieger. Möglich scheint nun sogar eine Doppelveranstaltung mit seinem Bruder Witali, der voraussichtlich am 11. Dezember in New York seinen Weltmeistertitel nach Version des WBC gegen den Engländer Danny Williams verteidigen wird.

Am Dienstag werden die Klitschkos in Berlin erwartet. Hier startet die Promotion-Tour für ihr Buch „Unter Brüdern“. Und da lauern keine Niederschläge. Tsp

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