Sport : Ein Hauch Paris

Am Freitag ist die Trabrenn-Weltelite in Mariendorf zu Gast: Fünf Sieger des Prix d’Amérique kommen

Heiko Lingk
Triumph im Trabertempel. Der Franzose Sebastien Ernault gewann mit seinem Pferd Oyonnax 2010 den Prix d’Amérique in Vincennes bei Paris. Foto: AFP
Triumph im Trabertempel. Der Franzose Sebastien Ernault gewann mit seinem Pferd Oyonnax 2010 den Prix d’Amérique in Vincennes bei...Foto: AFP

Berlin - Ulrich Mommert ist den Umgang mit prominenten Sulkyfahrern gewohnt. Der Unternehmer aus der Automobil-Zuliefererbranche, der seit sieben Jahren als Vereinspräsident die Geschicke der Rennbahn Mariendorf leitet, besitzt rund achtzig Traber. Für die Betreuung seiner Pferde hat er vor sechs Monaten den besten Fachmann, der in Deutschland zu haben ist, als Privattrainer eingestellt: den legendären Heinz Wewering, mit exakt 16 454 Erfolgen siegreichster Trabrennfahrer der Welt. Zudem ist Mommerts Rennverein Veranstalter der alljährlichen Derby-Woche, des Saisonhöhepunkts des hiesigen Trabersports.

Doch für den Stellenwert des Ereignisses, das der bald einhundert Jahre alten Piste am morgigen Freitag bevorsteht, findet Mommert gar nicht genug lobende Worte. „Die Qualität der startenden Fahrer ist einfach unbeschreiblich“, sagt Mommert. „Etwas Derartiges hat der Berliner Rennsport wohl nur selten erlebt.“ In der Tat: Man muss schon weit in den Annalen der deutschen Trabrennsportgeschichte zurückblättern und große Namen wie die von Johannes „Hänschen“ Frömming oder Charlie Mills bemühen, um einen passenden Vergleich zu der morgigen Veranstaltung herzustellen.

Denn beim Deutsch-Französischen Freundschaftsrenntag (Beginn 16.30 Uhr bei freiem Eintritt) begrüßt Mariendorf die absolute Elite des Trabersports: fünf Fahrer aus Paris, die den Prix d'Amérique – das mit einer Million Euro dotierte wichtigste Rennen der Welt – insgesamt neun Mal gewannen. Sie haben eine schier unglaubliche Erfolgsbilanz: Alleine in der abgelaufenen Saison 2010 haben Franck Nivard, Pierre Levesque, Jos Verbeeck, Sébastien Ernault und Franck Ouvrie bei ihren Sulkyfahrten insgesamt über 13,5 Millionen Euro Preisgeld verdient.

Erst am letzten Samstag holten sich zwei von ihnen – Nivard und Levesque – noch einmal einen kräftigen Nachschlag und kassierten bei ihren Siegen in Paris wiederum 300 000 Euro Prämie ein. Damit verglichen sind die Rennpreise, die morgen in Mariendorf ausgeschüttet werden, fast schon Peanuts. In den acht Prüfungen, von denen sechs live im französischen Fernsehen ausgestrahlt werden, geht es durchschnittlich um etwa 6000 Euro Preisgeld. Für Berliner Verhältnisse ist diese Summe aber dennoch beachtlich, normalerweise sind die Rennen unter der Woche nämlich nur halb so hoch dotiert. Für die illustren Gäste hat sich die Rennbahn mächtig herausgeputzt. Der Zuschauerbereich auf der Haupttribüne wurde extra gründlich renoviert und natürlich setzt auch die Bahn-Gastronomie französische Akzente.

Über die Mariendorfer Piste weht also ein kräftiger Hauch aus Paris. Die heimischen Trabrennfans schielen schon seit langem mit ein wenig Neid auf Frankreich. Im Mutterland des europäischen Pferdesports herrschen geradezu traumhafte Zustände. Der Pferdesport ist in Frankreich eine gewaltige Freizeit- und Vergnügungsindustrie. Rund zehn Milliarden Euro werden jährlich auf den 252 französischen Galopp- und Traberpisten umgesetzt und über 70 000 Arbeitsplätze sind direkt mit dem Rennsport verbunden.

Die hiesigen Bahnen haben dagegen seit Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber vielleicht hilft die kleine Nachbarschaftshilfe mit den fünf Topfahrern dem Sport zumindest in Berlin ja ein wenig auf die Sprünge.

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