Sport : Ein Hauch von Trauma

Frankfurt bestraft die Lethargie des FC Bayern

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Wie einst in Barcelona. Der Frankfurter Tsoumou überwindet Münchens Torhüter Butt, kurz darauf trifft auch noch Fenin. Foto: dpadpa

Es hat sicherlich etwas Gutes, dass in den geräumigen Katakomben der Frankfurter Arena fluchende Fußballprofis ohne Umwege direkt in die Kabine flüchten können. Nach der Last-Minute-Niederlage bei einer entfesselt kämpfenden Frankfurter Eintracht legte Pressechef Markus Hörwick größten Wert darauf, dass es vom FC Bayern an diesem Nachmittag keine frischen Statements in verschwitzten Trikots gab. Sonst wäre wohl nur herausgekommen, was Verteidiger Holger Badstuber beim Rückweg vom Rasen entfleuchte: „So ein Scheiß.“

Gerechterweise war in der Schlussphase des Spiels eine lethargische Münchner Vorstellung mit den späten Toren der eingewechselten Juvhel Tsoumou und Martin Fenin bestraft worden. 1:2 statt 1:0, das Miroslav Klose früh erzielt hatte. Und wer den Bayern Böses wollte, erinnerte gleich mal ans Vereinstrauma aus dem Mai 1999, als einst Manchester United in ähnlich furiosem Finale gegen die Münchner die Champions League gewann. Zwei Tage zuvor war den Bayern besagtes ManU als Viertelfinalgegner zugelost worden – wirkt das Trauma aus Barcelona noch nach?

Aus den drei Auswärtsspielen in Nürnberg, Köln und Frankfurt hat der FCB sieben der neun Punkte leichtfertig liegen gelassen, „wenn wir auswärts immer nur unentschieden spielen oder verlieren“, sagte Louis van Gaal, „werden wir nicht Deutscher Meister.“ Und daran trüge der niederländische Trainer eine Portion Mitschuld. Partout wollte der 58-Jährige nicht einsehen, dass seine linke Seite mit dem überforderten David Alaba und dem irrlichternden Danijel Pranjic die Bruchstelle war – aufgemischt von Sebastian Jung, 19, und Marcel Heller, 24, zwei Frankfurter Reservisten. Aushilfsverteidiger Alaba, eigentlich ein Mittelfeldmann, patzte bei beiden Gegentoren. Van Gaal allerdings schob die Schuld auf andere. „Die großen Fehler wurden vorher gemacht.“ Doch Rummenigge hatte vor dem Spiel schon geunkt, ob es van Gaal mit seinem Jugendwahn nicht bisweilen übertreibe: „Ich denke mir manchmal, hoffentlich wird er nicht zu mutig.“ Bastian Schweinsteiger sprach später Klartext: „Da sieht David nicht gut aus, aber er hat nicht die Schuld an dieser Niederlage.“

Gewiss nicht: Der FCB versagte im Kollektiv. Lauf- und zweikampfschwach, harm- und hilflos trat der ausgeruhte Rekordmeister ausgerechnet vor den ganz wichtigen Wochen auf. Der Terminplan hält innerhalb von drei Wochen in drei Wettbewerben diese Prüfungen bereit: Am Mittwoch spielen die Bayern im DFB-Pokal beim FC Schalke, danach in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart, erneut Schalke und Bayer Leverkusen (letztere beide auswärts), darin eingebettet sind die Duelle mit Manchester. Eingedenk dieser Belastung wollte Sportchef Christian Nerlinger „nicht alles in Schutt und Asche reden, wir müssen die Mannschaft wieder aufrichten, damit sie sich wieder als FC Bayern präsentiert“.

Wohl und Wehe könnte auch davon abhängen, welche Gesichter in der zentralen Abwehr zu sehen sind. Martin Demichelis ist seit dem Zusammenprall mit Michael Ballack im Länderspiel außer Gefecht, und Daniel van Buyten zog sich in Frankfurt eine Jochbeinprellung zu. Zwar soll van Buyten am Mittwoch auflaufen, doch er mache sich „große Sorgen“, sagte van Gaal. Außer Badstuber hat er keinen Innenverteidiger mehr – der zurückversetzte Ukrainer Anatolij Timoschtschuk bewies in nur zehn Minuten, dass er auch dort schlecht aufgehoben ist. „Das war ein Wechsel zu viel“, sagte van Gaal, „aber in drei Tagen ist eine ganz andere Welt.“ In München will man ihm das glauben.

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