Sport : Ein Hauch von Würde

Stefan Hermanns

über den Umgang der Bayern mit Ottmar Hitzfeld Es gibt verschiedene Kriterien, an denen sich die Größe eines Trainers bemessen lässt. Die Öffentlichkeit lässt sich wohl am stärksten von der Zahl der Titel und Trophäen beeindrucken; im Sport aber sind Niederlagen manchmal wichtiger als Siege. Erst der Umgang mit ihnen entscheidet darüber, ob ein Sportler ein großer oder ein sehr großer ist. Ottmar Hitzfeld – so viel kann man seit gestern sagen – ist ein sehr großer Trainer.

Hitzfeld hat seine Niederlage bei Bayern München mit Fassung getragen. „Nicht der Hauch einer Sorgenfalte“ sei in seinem Gesicht zu sehen gewesen, als er die Nachricht von seiner Entlassung zum Saisonende erhielt. So berichtete es Manager Uli Hoeneß, nachdem er die Botschaft überbracht hatte. Sein Kommentar passte in den zynischen Umgang, den die Bosse der Bayern zuletzt mit Hitzfeld gepflegt haben. In das unwürdige Spiel von falschen Beteuerungen und durchsichtigen Beschwichtigungen.

Man kann darüber streiten, wer Hitzfeld schlimmer mitgespielt hat: die Dortmunder, die ihn 1997 sofort nach dem Gewinn der Champions League auf den Posten eines belanglosen Sportdirektors weglobten? Oder die Bayern, die ihn wochenlang im Unklaren ließen? Hitzfeld, der bei den Bayern eine Ära geprägt hat, hat seine Demontage so ertragen, wie man es von ihm erwartet hatte. Mit Würde. Große Sportler zeichnen sich dadurch aus, dass sie an einer großen Niederlage nicht zerbrechen, sondern gestärkt aus ihr hervorgehen. Ottmar Hitzfeld wird jetzt nachgesagt, dass er Nationaltrainer der Schweiz werden wolle. Vielleicht sollte er darüber noch einmal nachdenken.

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