Sport : Ein Heer von Heroen

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Frank Bachner über die Asthmatiker im Radrenn-Sattel

So eine Tour de France ist schon eine interessante Sache. Allein die ganzen Eindrücke. Die Berge, die Felder, die Wiesen, die malerischen Dörfer. Und wenn man den Ton abdreht bei den ARD-Übertragungen und die Reporter Emig und Watterot verstummen, dann ist die Idylle perfekt. Und so ganz nebenbei erfährt man auch, wer sich alles mit Asthma über die Berge quält. Da wird die Tour der Leiden noch leidvoller, und nur wegen der Leiden verfolgt man ja diese Rundfahrt. Auch wenn die Berge schön und die Wiesen bunt sind und Watterot schweigt.

Igor Gonzalez de Galdeano, der Mann im Gelben Trikot, hat selbstverständlich auch Asthma. Hätte einen sonst ja auch gewundert. Top-Sportler sind anfälliger für Krankheiten als Normalbürger, zweifellos. Belastungsasthma heißt das bei ihnen. Nur: Gibt’s eigentlich Profis, die kein Asthma haben und trotzdem heroisch, ja fast wundersamerweise Weltklasseleistungen zeigen? Es gibt sie bestimmt, am besten sucht man sie in den jeweiligen Besenwagen einer Rundfahrt, wo die Ausgesonderten landen. Aber es sind wirklich nur wenige. Angeblich haben 80 Prozent aller Radprofis Belastungsasthma und dürfen deshalb Salbutamol nehmen, das angenehmerweise auch einen Dopingeffekt hat.

80 Prozent. Der Schnitt in der normalen Bevölkerung liegt bei vier Prozent. Wenn die zehnfache Zahl von Top-Sportlern Asthma hätte, wäre das aus medizinischer Sicht schon sehr ungewöhnlich, sagt ein Experte. Anders ausgedrückt: Diverse Radprofis, der Verdacht liegt nahe, dürften eine gut zugängliche Dopingquelle entdeckt haben. Die Diagnose Asthma, gestellt von einem Teamarzt, muss zwar laut Reglement ein unabhängiger Arzt bestätigen, aber bitte, wo ist das Problem? Der Italiener Frigo besaß Mittel, die erst 2007 auf den Markt kommen, da ist es für Profis ein Leichtes, Mittelchen einzuwerfen, die zur gewünschten Diagnose Asthma führen. Wer sich jemals vor der Bundeswehr drücken wollte und mit extrem hohem Blutdruck zur Untersuchung auftauchte, weiß, wie man manipuliert.

Wie lange geht die Tour noch? Nur noch bis zum 28. Juli? Na, zum Glück! Diese anderthalb Wochen voller schlechter Bergluft werden die lungenkranken Herren Profisportler hoffentlich auch noch überstehen.

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