Sport : Ein Held für Minuten

Andre Görke

Für zwölf Minuten war Harun Isa so etwas wie ein Held. Isa schoss im Oktober 2000 eines jener Tore, die im bezahlten Fußball so selten sind, dass sie Fans nie vergessen. Der Stürmer des 1. FC Union hatte fast von der Mittellinie aus das 3:0 gegen Babelsberg erzielt und somit ziemlich sicher auch das Tor des Monats, vielleicht sogar das Tor des Jahres. Für Harun Isa schien es ein großer Tag zu werden. Zwölf Minuten später, nur wenige Kilometer westlich: Herthas Stürmer Alex Alves traf im Olympiastadion zum 1:2 gegen Köln. Vom Anstoßpunkt aus. Dieser Treffer war noch spektakulärer. Von Harun Isa wurde an jenem Nachmittag nicht mehr viel gesprochen.

Isa wird heute Abend im Heimspiel des 1. FC Union gegen Rot-Weiß Oberhausen (19 Uhr; Alte Försterei) wieder nur auf der Ersatzbank sitzen. So ist das Geschäft. Der 1. FC Union hat im Dezember Petar Divic für 400 000 Euro verpflichtet. Divic hat einen Bonus. Er wird ganz bestimmt spielen.

Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, das wär doch was. In die Bundesliga aber, zu den Großen der Branche, hat es Isa nie geschafft, und er wird es auch nicht mehr schaffen. Isa ist 32. Aber für die Zweite Liga sollte es reichen. Harun Isa hat in der letzten Regionalliga-Saison 13 Tore für Union erzielt und einen erheblichen Anteil daran gehabt, dass sein Klub in die Zweite Liga aufgestiegen ist. Nur Daniel Teixeira hatte mehr Tore erzielt. In der Hinrunde der Zweiten Liga brachte es Isa auf sieben Tore und eine Vorlage. Nur Sreto Ristic steht mit einem Tor besser da.

Mit der Situation kann Isa mittlerweile umgehen. "Es bringt nichts, Probleme zu machen. Ich bin der effektivste Stürmer, habe meine Tore geschossen. Ich zeige dem Chef, dass ich da bin. Ich bin eine gute Alternative." In einem Testspiel auf Zypern während des Trainingslagers hat Isa nach seiner Einwechslung zwei Tore geschossen. Mehr kann er wirklich nicht zeigen.

Seine Karriere geht langsam zu Ende. Sein Vertrag beim 1. FC Union läuft am Saisonende aus. Isa sei langsamer geworden, sagen Kritiker. Der Verein will dennoch mit ihm um ein Jahr verlängern. Isa sagt: "Wenn ich nur noch Nummer Fünf bin, dann gehe ich nach Hause."

0 Kommentare

Neuester Kommentar