Sport : Ein Hengst geht auf die Reise

Abano As trabt im Frühjahr in den USA

Heiko Lingk[Mühlen]

Wochenlang musste Alwin Schockemöhle um das beste Pferd im Stall bangen. Das war eine quälende Zeit für den zweimaligen Olympiasieger der Springreiter, der heute einer der führenden Züchter im deutschen Trabrennsport ist. Nach einer schweren Verletzung am Fesselgelenk, die sein Hengst Abano As im August erlitten hatte, sah es nicht gut aus für den schnellsten und erfolgreichsten deutschen Traber aller Zeiten. Rund 2,2 Millionen Euro Rennprämie hat der Braune bisher verdient. Doch mit der Verletzung fiel nicht nur die Vorbereitung für den geplanten Start am 30. Januar im Pariser Prix d’Amerique aus – im wichtigsten Rennen der Welt um eine Million Euro sollte Abano As seinen Sieg aus der Saison 2003 wiederholen – nein, die gesamte Rennkarriere des Hengstes schien bedroht.

Doch im gleichen Stil, in dem der Traber seine Konkurrenten auf der Sandpiste für gewöhnlich niederzuringen pflegt, hat Abano As den Herbst hindurch gegen das drohende Karriereende gekämpft. Jürgen Gaßner, der Leiter des Gestüts Schockemöhle, sagte nun: „Wir können Entwarnung geben. Abano As hat seine schwere Verletzung tatsächlich ganz überwunden und ist schon wieder der Alte.“ Natürlich sei das Pferd für den Prix d’Amerique etwas zu spät dran. „Aber dafür wird Abano As nun eine Route einschlagen, die Alwin Schockemöhle schon lange für ihn vorgesehen hatte.“ Der Plan: Der Hengst wird in der zweiten Januarhälfte eine Reise in die USA antreten. Wenn alles wie erwartet läuft, wird Abano As auf den Rennstrecken in Übersee die großen internationalen Klassiker bestreiten.

Als Partner für dieses Vorhaben hat sich Alwin Schockemöhle einen Mann ausgesucht, der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn steht: Trond Smedshammer wird den Spitzentraber trainieren. Der 37-jährige Norweger lebt seit langem in Nordamerika und hat dort eine Saison hinter sich, die erfolgreicher kaum sein könnte. Mit seinem Pferd Windsong’s Legacy triumphierte Smedshammer im Hambletonian, im Yonkers Trot und im Kentucky Futurity, den wichtigsten amerikanischen Rennen. Damit gewann der Norweger als Erster seit 32 Jahren die „Triple Crown“, die dreifache Krone. Als logische Konsequenz dieser unglaublichen Siegesserie schloss sich seine Wahl zum Trainer des Jahres 2004 in den USA an.

Trond Smedshammer wird sein neues Pferd Abano As auf der White Beach Farm im US-Bundesstaat New Jersey für die Aufgaben vorbereiten. Die Rennen wird der Hengst von Alwin Schockemöhle auf der New Yorker Bahn The Meadowlands bestreiten, der wichtigsten amerikanischen Traberpiste. Die Zusammenarbeit des Norwegers und des deutschen Olympiasiegers ist damit eine Zusammenarbeit zweier prominenter Männer, wie sie der hiesige Pferderennsport noch nicht erlebt hat. Allerdings gelten selbst für einen Champion wie Abano As in den USA keine Sonderregeln: Auch ein Hengst wie Abono As muss aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen zunächst durch die Quarantäne und wird daher auf seinem Weg nach New York eine fünfwöchige Rennpause in Florida einlegen.

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