Sport : Ein Herz für Hamburg

Klaus Toppmöller begeistert sich für seinen neuen Klub – Vorstand räumt Fehler ein

Frank Heike

Hamburg. Nicht jeder auf dem Podium schien der selbstverschuldeten Situation beim Hamburger SV gewachsen zu sein. Während der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann in einer abgelesenen Erklärung Trainer, Spieler und auch die etwa 100 Journalisten um Entschuldigung für das Fehlverhalten in der Posse um die Entlassung von Trainer Kurt Jara bat, verhaspelte sich Sportchef Dietmar Beiersdorfer manchmal in seiner Rede und wirkte mitgenommen.

„Die moralische Bewertung müssen wir anderen überlassen“, sagte Beiersdorfer und mutmaßte, „dass das eine oder andere bei den Spielern zurückbleiben kann“. Das Verhältnis zwischen Profis und ihren Vorgesetzten gilt seit längerem als belastet.

Noch am Sonntag hatten die beiden bezahlten Vorstandsmitglieder des Hamburger SV zur Überraschung aller, aber durchaus glaubwürdig, dem alten Trainer Jara trotz des 0:4 beim 1. FC Kaiserslautern den Rücken gestärkt. Jara werde bis zum Heimspiel gegen den FC Schalke 04 Trainer des HSV bleiben. In der Nachbetrachtung der Partie auf dem Betzenberg erfolgte dann die Kehrtwendung. „Am Sonntag haben wir hinter unseren Worten gestanden“, sagte Beiersdorfer. „Danach aber hat sich ein neuer Eindruck ergeben.“ Die Körpersprache der Mannschaft und die Körpersprache des Trainerstabs hätten die beiden Verantwortlichen zum Rückzug von Jara bewogen: „Es war sicher keine Meisterleistung. Aber wir haben unsere Glaubwürdigkeit im Sinne des Vereins gefährdet.“

So also wurde der Weg frei für Klaus Toppmöller, den ja wohl auch Hertha BSC umworben hatte. Nach Gesprächen mit dem HSV am Montag in Frankfurt habe es bei ihm „klick“ gemacht, sagte der seit acht Monaten arbeitslose Fußball-Lehrer gestern in Hamburg. Warum es hier „klick“ und nicht dort „klick“ gemacht hat, wollte Toppmöller nicht weiter ausführen. Trotz Nachfrage wollte er zu einem möglichen Berliner Angebot und möglichen Gesprächsinhalten keine Stellung nehmen; der „Bild“-Zeitung hatte er am Mittwoch gesagt, Hertha habe nie auf seiner Liste gestanden. In Hamburg erhält er einen Vertrag bis 2005. Jara, der zwei Jahre an der Alster arbeitete, wird dem Vernehmen nach mit 250 000 Euro abgefunden. Sein Vertrag war im Sommer bis 2005 verlängert worden. Zusammen mit dem Österreicher müssen drei Assistenztrainer gehen.

Nichts sagend beantwortete Hoffmann, der ehemalige Fußballvermarkter von Sportfive, die Fragen nach der finanziellen Situation des HSV, der ja mit mehr als 14 Millionen Euro Unterdeckung in die Serie gegangen war, durch das frühe Ausscheiden im Europapokal weitere mögliche Millionen verspielt hat, nun aber einen kompletten Trainerstab abfinden muss. „Wir werden die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga erfüllen und uns an das Budget halten, das wir dem Aufsichtsrat vorgelegt haben.“ Spielerverkäufe und Prämienkürzungen schloss Hoffmann ebenso aus wie Verstärkungen in der Winterpause. Der Aufsichtsratsvorsitzende Udo Bandow sagte, der HSV erwarte zum Saisonende eine „schwarze Null“ in der Bilanz.

Als Toppmöller zu Wort kam, wirkte er sofort präsent. „Ich bin durch ganz Europa gejettet und hatte viele Angebote, aus Griechenland etwa, aber auch vom FC Fulham. Aber ich war nie richtig überzeugt. Beim HSV war ich vom ersten Kontakt an begeistert. Ich habe das Angebot von Herzen angenommen. Da, wo ich bisher war, war Erfolg, waren viele Zuschauer, gab es Euphoriewellen. Das will ich auch hier erreichen“, sagte er. Er bezeichnete den HSV als einen „Fußball-Dino“, der in dieser Saison unter seinen Möglichkeiten geblieben sei. „Das Potenzial ist aber ganz in Ordnung.“

Toppmöller, der am Nachmittag schon das Training des HSV leitete, hat bereits Ausschau nach Ersatz für den langzeitverletzten Torwart Martin Pieckenhagen gehalten. Er möchte Tom Starke von Bayer Leverkusen verpflichten. Der HSV müsste aber für einen Neuzugang während der laufenden Saison bei der DFL eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Gegen Schalke am Samstag soll aber zunächst Ersatztorhüter Stefan Wächter zwischen den Pfosten stehen.

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