Sport : Ein Herz für Kamerun

Schäfer sieht seine Zukunft in Afrika – trotz des Misserfolgs

André Görke

„Warum? Warum stellen Sie diese Fragen?“ Winfried Schäfer war verärgert, als er nach der 1:2-Niederlage von Kamerun gegen Nigeria gefragt wurde, ob er als Trainer der Fußball-Nationalmannschaft zurücktrete. „Nein! Nein!“ habe er geantwortet, erzählt Schäfer einen Tag später. „Was würde das denn bringen?“

Die Nationalmannschaft von Kamerun ist im Viertelfinale des Afrika-Cups in Tunesien ausgeschieden. Kenner des afrikanischen Fußballs hatten vor dem Spiel gesagt, dass im Falle einer Niederlage auch die Amtszeit von Schäfer enden könnte. Doch der Deutsche hält dagegen: „Ich habe den Vertrag am Abend vor dem Spiel wirklich unterschrieben. Die Papiere liegen in meiner Aktentasche. Ich bleibe bis 2006 in Kamerun.“ Das hatte der 54 Jahre alte Schäfer schon einmal vor vier Wochen erzählt und dann doch später einräumen müssen, dass er gar nicht unterschrieben habe.

Nun soll die Vertragsverlängerung perfekt sein. Schäfer hätte damit einen taktisch guten Zeitpunkt erwischt. Viele seiner Kollegen in Afrika wurden nach dem Ausscheiden bei dem wichtigsten Turnier des Kontinents entlassen. Erst erwischte es die Trainer aus Ägypten und dem Kongo. Die Entlassung des Trainers von Südafrika soll schon beschlossene Sache sein. Gestern nun verkündete Algeriens Nationalcoach Rabah Saadane seinen Rücktritt. In Kamerun soll alles anders sein als in früheren Jahren, sagt Schäfer. Als er im Herbst 2001 nach Kamerun ging, war er der fünfte Trainer in einem Jahr. „Ich konnte den Verband überzeugen, dass Stabilität mehr bringt“. Das Ausscheiden beim Afrika-Cup wecke viele Emotionen, „die Menschen sind unglaublich traurig, aber der Löwe ist nicht tot“, sagt Schäfer. „Er leckt seine Wunden und ist müde. Aber er steht wieder auf.“ Die Löwen, das ist der Kosename der Nationalmannschaft Kameruns.

Derzeit arbeitet Winfried Schäfer bereits an der Planung für die kommenden Monate. Mehr Länderspiele müsse es geben, um die Abstimmung auf dem Platz zu verbessern. „Wir sind jung, wir sind gut. Kamerun ist die Mannschaft der Zukunft“, sagt Schäfer. „Mit etwas Glück sehen wir uns 2006.“ Dann findet in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Mit Winfried Schäfer – oder auch ohne.

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