Sport : Ein hohes Frustpotenzial

Felix Meininghaus

So viel vorweg: Borussia Dortmund ist kein Spitzenklub. Was der ambitionierte westfälische Börsenklub am Dienstag in Liverpool mit dem Ausscheiden aus der Champions League offiziell bestätigt bekam, manifestierte sich gestern im Bundesliga-Alltag beim mageren 1:0 (0:0) gegen den VfB Stuttgart. Über weite Strecken agierten die Gastgeber vor 66 000 Zuschauern im Westfalenstadion mit besorgniserregender Lethargie. Ein Umstand, der den Trainer Matthias Sammer nicht unvorbereitet traf: "Einige stoßen an ihre körperlichen Grenzen", sagte der frühere Weltklasse-Libero, der seine Schützlinge trotz des über weite Strecken desolaten Kicks mit ungewöhnlicher Nachsicht behandelte. Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Sammer ließ sich am Ende sogar zu dieser Aussage hinreißen: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft."

Woher er diese Hochachtung nahm, wird sein Geheimnis bleiben. Besonders in der ersten Hälfte blamierte sich der BVB und präsentierte einen zweckfreien Kombinationsfußball ohne erkennbaren Zug zum Tor. Dazu gesellte sich eine Vielzahl von Fehlpässen. Die Dortmunder hatten es zum einen der fehlenden Konsequenz der Stuttgarter Gäste bei hochkarätigen Chancen durch Viorel Ganea und Jens Todt, zum anderen ihrem glänzenden Torhüter Jens Lehmann zu verdanken, dass sie nicht in Rückstand gerieten. Selbst brachten sie ihre Gegner in Halbzeit eins kein einziges Mal ernsthaft in Verlegenheit.

Nach dem Seitenwechsel reichte eine lichte Szene, um die Partie zu entscheiden: Nach einer schönen Kombination über die beiden Tschechen Tomas Rosicky und Jan Koller erzielte Lars Ricken in der 52. Minute das Tor des Tages. Danach stellten die Dortmunder ihre spielerischen Ambitionen prompt wieder ein. Ein mit maximalem finanziellen Aufwand verstärktes Ensemble rettete sich mit minimalen Mitteln über die Runden. Für BVB-Sportmanager Michael Zorc war es ein "Arbeitssieg mit Zittern dabei. Die Mannschaft muss das Ausscheiden aus der Champions League erst einmal verarbeiten. So ein Scheitern birgt ein hohes Frustpotenzial."

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