Sport : Ein Indiz für den Fortschritt

Friedhard Teuffel

Gedopt ist nicht nur, wer positiv getestet wird. Diesen Verdacht haben schon viele Sportler mit zweifelhaft überragenden Leistungen geweckt. Aber jetzt kann ein solcher Verdacht leichter sportgerichtsfest werden. Dem Internationalen Sportgerichtshof haben Zeugenaussagen ausgereicht, um die amerikanischen Sprinter Tim Montgomery und Chryste Gaines für zwei Jahre zu sperren. Die beiden sind die ersten Leichtathleten, die in einem Indizienprozess verurteilt wurden, und es werden sicher weitere folgen.

Das Urteil zeigt die Schwächen des bisherigen Systems auf: Es genügt nicht, die Sportler regelmäßig zu kontrollieren. Der Betrug hat schließlich längst unglaubliche Ausmaße angenommen. Es wird mit Substanzen manipuliert, die nicht nachweisbar sind, oder bei der Abgabe der Proben auf raffinierte Weise getäuscht. Doch auch die trickreichsten Betrüger müssen nun mit einer Bestrafung rechnen, denn jeder Mitwisser kann später zum entscheidenden Belastungszeugen werden, wie es bei Montgomery und Gaines ihre Sprintkollegin Kelli White war.

Den Anti-Doping-Kämpfern eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten: mit dem Indizienprozess, aber auch mit der längeren Lagerung von Dopingproben, um sie nachträglich mit neueren Methoden zu untersuchen. Vielleicht können sie damit wenigstens einzelne Athleten vom Doping abschrecken. Und wenn nicht, haben sie auf jeden Fall bessere Chancen, die Betrüger auch lange nach dem Überqueren der Ziellinie zu überführen.

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