Sport : Ein intellektueller Betrüger

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Robert Hartmann über den positiven Dopingbefund des Marokkaners Boulami

Brahim Boulami war unverfroren genug, am 16. August im Züricher Letzigrund seinen neuen Weltrekord über 3000 m Hindernis mit Hilfe des Blutdopingmittels Erythropoietin (Epo) aufzustellen. Rechtzeitig bevor er heute beim Golden-League-Meeting in Brüssel seine Zeit von 7:53,17 Minuten wie ankündigt verbessern konnte, teilte der Internationale Leichtathletik-Verband den positiven Befund bei dem 30-jährigen Marokkaner mit. Er hat nun neben der persönlichen Blamage die obligatorische Zweijahressperre für Dopingsünder zu verbüßen.

Boulami war erst 24 Stunden vor seinem Triumph getestet worden, wie das bei Epo-Kontrollen üblich ist. Auch der deutsch-spanische Skilangläufer Johann Mühlegg war erst zwei Tage vor seinem Olympiasieg beim 50-km-Skilanglauf in Salt Lake City gebeten worden, Blut und Urin abzugeben. Die Dopingsubstanz, sie verflüchtigt sich sehr schnell wieder.

Schon während der siebeneinhalb Runden bei „Weltklasse in Zürich“ tauchten erste Verdächtigungen auf. Aber noch herrschte besonders bei den zurückhaltenden Kenianern die Politik der vorsichtigen Worte. Sie, die diese Distanz seit 1978 bis zu Boulamis spätem Auftauchen im vorigen Sommer beherrschten, mussten zunächst einmal den Spott der versammelten Medien über sich ergehen lassen. Allgemeiner Tenor: Die Kenianer rennen zu viel.

Der neue Star setzte noch eins drauf und schwadronierte nach seinem Weltrekord: „Ich habe die bessere Hürdentechnik.“ Auch dieser Unsinn fand seine Abnehmer. Genauso wie seine Aussage geglaubt wurde, er habe erst mit 23 Jahren mit dem Laufen richtig angefangen. Das Sportstudium habe er zunächst abschließen wollen. Seht her, ein Intellektueller, wie wunderbar! Ein Aushängeschild! Tatsächlich rannte der Marokkaner bereits 1995 mit 8:20,60,64 eine Zeit, die einen Vorlauf von fünf Jahren täglichem Training erforderte.

Am Abend des Züricher Sturmlaufs sagte ein schockierter Patrick Sang, der Trainer des Olympiasiegers und Weltmeisters Reuben Koskei, vorsichtig: „Wenn ich etwas vermuten würde, wird es heißen: Wo sind deine Beweise?" Nein, in Zürich war das Unmögliche möglich geworden, es musste gefeiert werden und es wurde gefeiert. Zumal Boulami mit seinem ungeheuren Sauerstoffüberschuss nicht müde wurde, ja, meistens drängte er von Bahn zwei aus die zwei kenianischen Schrittmacher, schneller, immer schneller zu rennen.

Nun wird der Weltrekord wieder eingestampft und die Kenianer, die wie dumme Jungen aussahen, wieder zu verdienten Ehren kommen. Nun tauchen auch wieder alte Geschichten auf. Dass Boulami den gleichen Arzt hat wie sein belgischer Konkurrent Koman Hohamed Mourhit, der Anfang Mai in Brüssel zwei Tage vor den Halbmarathon-Weltmeisterschaften aufgefallen war.

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