Sport : Ein Italiener in Paraguay

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Von Christoph Daum

Einige Nationalmannschaften treten bei dieser WM mit ausländischen Trainern an. England zum Beispiel mit dem Schweden Sven-Göran Eriksson, Südkorea mit dem Holländer Guus Hiddink, Senegal mit dem Franzosen Bruno Metsu, Deutschlands letzter Gegner Kamerun mit dem Deutschen Winfried Schäfer, Deutschlands nächster Gegner Paraguay mit dem Italiener Cesare Maldini.

Begehrt sind vor allem Trainer, die Erfolg haben in den europäischen Vereinswettbewerben. Bei ihrer Suche unterstellen die Verbände den Umworbenen zudem bestimmte nationale Eigenschaften, die sie den einheimischen Trainern nicht zutrauen. So verbinden sie deutsche Trainer mit Disziplin, Kampfkraft und unbeugsamem Siegeswillen, holländische und französische mit Offensivfußball und spielerischen Stärken, italienische mit Sicherheitsdenken, Cleverness und taktischer Ordnungsliebe. Alles grobe Vereinfachungen, die den vielfältigen Qualitäten der Kollegen nicht gerecht werden, die aber doch eine Richtung vorgeben.

Cesar Maldini soll Paraguay ein „italienisches“ Taktik-Gerüst einziehen, damit die Mannschaft gegen Deutschland besteht. Maldini kennt den Weltfußball, keiner seiner Spieler wird an seinen Anweisungen zweifeln. Bei einem einheimischen Trainer würden schon Kleinigkeiten diskutiert und hinterfragt. Bruno Metsu hat Senegal geradezu französisches Selbstvertrauen gegeben. Er passt optimal zu diesem ohnehin französisch geprägten Land. Guus Hiddink, schon länger in Südkorea, lässt sein Team 90 Minuten auf Angriff spielen, den Gegner immer und überall attackieren. So hat Holland gespielt, aber das entspricht auch der südkoreanischen Mentalität.

Ein großes Problem ist oft die Sprachbarriere. Warum schreit der Trainer jetzt? Hat er was gegen mich oder gibt er nur eine Anweisung? Warum lacht der Spieler? Macht er sich über mich lustig? Solche Kleinigkeiten können entscheidend sein. Nur wer es versteht, Mentalität, Sitten und Gebräuche, Kultur und Religion sowie die unterschiedliche Bildsprache zu verinnerlichen, wird seine Spieler erreichen. Japans französischer Trainer Philippe Troussier hat deshalb Leben und Denkweise seines Arbeitgeber-Landes weitgehend übernommen.

Einen Spielstil oder ein Führungsverhalten einfach nur von einem Land auf ein anderes übertragen zu wollen, ist falsch. Ein Trainer, der im Ausland arbeitet, muss deshalb die Eigenheiten der von ihm betreuten Spieler erst einmal selbst verstehen, bevor er seine Entscheidungen trifft. Besserwisser haben keine Chance. Kooperieren statt kopieren - nur so kann es gehen.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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