Sport : Ein Japaner ärgert die Bayern

In der Nachspielzeit erzielt Hamburgs Zugang Takahara das 1:1 in München

Detlef Dresslein

München. Die Uhr im Olympiastadion zu München zeigte schon die 90. Minute an, als es Sebastian Deisler besonders gut machen wollte, den Ball davon abhielt über die Außenlinie zu kullern. Wenn er es zugelassen hätte, wäre womöglich gar nichts weiter passiert. So aber nutzte der Hamburger SV die Hektik der aufrückenden Abwehr, der Ball gelangte zu Mehdi Mahdavikia, und der Iraner flankte auf den stoppeligen Schädel von Naohiro Takahara. Die Folge: Kopfball, Tor, Ausgleich zum 1:1 – aber immer noch acht Punkte Vorsprung für Bayern München.

Erst fünf Minuten zuvor war Deisler eingewechselt worden und bekam seinen ersten Bundesligaeinsatz für den FC Bayern gutgeschrieben. Und er hatte kurz nach der Einwechslung beherzt interveniert, als Takahara schon einmal frei vor dem Tor stand und hätte ausgleichen müssen. Und ausgerechnet „gegen den weltbesten Torwart" (HSV-Trainer Kurt Jara) erzielte der Japaner Takahara sein erstes Bundesliga-Tor, beobachtet von diesmal 28 offiziell akkreditierten Journalisten aus der Heimat. „Das sind die Geschichten im Fußball", schwärmte Kurt Jara, der für die kommende Woche „wieder einen Riesenauflauf beim Training" erwartet. Es war auch das erste Gegentor für Kahn nach 803 Minuten ohne ein solches Negativerlebnis – ein neuer Rekord immerhin auch das.

Durch die Dortmunder Niederlage in Stuttgart hätten die Bayern ihren Vorsprung mit zehn Punkten nach zwanzig Spielen schon extrem komfortabel gestalten können. Und eigentlich sah es nie anders aus als müsste das passieren. Bereits nach elf Minuten hatte Claudio Pizarro das 1:0 erzielt, und allein die Schludrigkeit in der Verwertung der folgenden Chancen ließ das Ergebnis so knapp bleiben. Da aber die Hamburger mit Ausnahme einer kurzen Druckphase gleich nach der Pause und am Ende des Spiels extrem harmlos blieben, hatte man auch selten ernsthafte Sorgen auf Seiten der Bayern.

Ottmar Hitzfeld sagte hinterher: „Wenn man aber das zweite und dritte Tor nicht macht, gerät man unter Druck." Zudem habe seine Mannschaft in den letzten Minuten „die Ordnung verloren". Was Takahara in der Nachspielzeit dankbar ausnutzte.

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