Sport : Ein Kämpfer will weg

Boulahrouz steht vor dem Wechsel zu Chelsea

Karsten Doneck

Cottbus – Der Mann war nicht teuer, weckte aber schon nach seinen ersten Einsätzen beim Hamburger SV andernorts Begehrlichkeiten. Gestern nun, als der HSV bei Energie Cottbus antrat, fehlte Khalid Boulahrouz. Der holländische Nationalspieler war unterwegs nach London. Der FC Chelsea lockt ihn mit einem Vierjahresvertrag. Die Details sind ausgehandelt, eine letzte, kleine Ungewissheit bleibt wegen des noch zu absolvierenden Medizinchecks. 15 Millionen Euro, wie zunächst gemeldet wurde, kassiert der HSV vom FC Chelsea, der erst kürzlich Michael Ballack von Bayern München verpflichtet hat, zwar nicht, aber auch die kolportierten 13 Millionen Euro, die die Engländer auf das Konto der Hamburger überweisen werden, sind ein stattlicher Betrag. Erst recht dann, wenn man bedenkt, dass Boulahrouz im September 2004 für 1,5 Millionen Euro vom holländischen Erstdivisionär RKC Waalwijk nach Hamburg gewechselt war. Mit dem dicken finanziellen Plus einhergeht ein sportlicher Wertverlust beim HSV. Der, nach Ansicht von HSV-Vorstandsmitglied Katja Kraus, allerdings kaum zu verhindern ist. Sie sagt: „Wenn Vereine wie der FC Bayern oder Chelsea kommen, da können wir einfach noch nicht mithalten.“

Boulahrouz kam zum HSV, als die Mannschaft noch von Klaus Toppmöller trainiert wurde. Der urteilte nach den ersten Trainingseinheiten über den neuen Mann: „Der lebt und stirbt für Fußball.“ Boulahrouz hat seinen Bekanntheitsgrad und seinen Marktwert in 52 Bundesligaspielen für den HSV, einem guten Dutzend Europapokalspielen und nicht zuletzt durch 15 Einsätze in Hollands Nationalelf enorm gesteigert. Zuerst von Toppmöller im defensiven Mittelfeld aufgeboten, steigerte sich der 24-Jährige erst, als Thomas Doll Trainer wurde und ihn in die Innenverteidigung stellte. Zusammen mit Daniel van Buyten, inzwischen auch verkauft an den FC Bayern, bildete Boulahrouz ein Bollwerk, das in der Hinrunde der vorigen Saison in 17 Spielen nur ganze neun Gegentore kassierte. Boulahrouz gilt als verbissener Kämpfer, seine Technik am Ball ist für einen Abwehrspieler enorm, allerdings tritt er mitunter auch als Wüterich auf. Unrühmlich in Erinnerung ist noch sein mit der Gelb- Roten Karte beendeter Auftritt im Achtelfinale der Weltmeisterschaft beim Spiel Holland gegen Portugal (0:1). Dass Boulahrouz in letzter Zeit häufiger mal über Adduktorenprobleme klagte und in der Saisonvorbereitung eine Zeit lang ausfiel, macht die Trennung für den HSV etwas leichter. Der Verlust soll freilich auch ausgeglichen werden. „Wir werden sehr kurzfristig diese Position neu besetzen“, sagt Vorstandsmitglied Katja Kraus. Schon in der kommenden Woche will der HSV einen neuen Innenverteidiger präsentieren.

Beim Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation in Pamplona gegen CA Osasuna wird der Hamburger SV aber wohl auf sein vorhandenes Personal vertrauen müssen. Aber ein 0:0 verteidigen, das geht ja sowieso nicht. Ein Tor muss der HSV gegen Osasuna schon schießen, um in die Champions League zu kommen – und Boulahrouz war ja eher für das Toreverhindern zuständig.

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