Sport : Ein Kasten mit Spritzen

Verdächtiger Müll am Mannschaftshotel

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Göteborg - Als ein Passant in Göteborg seinen Müll entsorgen wollte, machte er eine erstaunliche Entdeckung: In dem Mülleimer in der Nähe eines Hotels, in dem bis zum Sonntag Teilnehmer der Leichtathletik-EM untergebracht waren, fand er einen Kasten mit Dopingpräparaten, Injektionsspritzen und weiteren technischen Hilfsmitteln. Der Passant benachrichtigte sofort die Behörden, wie ein Sprecher der Polizei der Zeitung „Dagens Nyheter“ erklärte. „Wir glauben, dass es sich hier um Präparate und Technik zum Zweck des Dopings handelt“, sagte der Polizei-Pressesprecher Mats Glansberg.

Die gefundenen Mengen seien so umfassend, dass es sich nicht um Ausrüstung für einen einzelnen Athleten gehandelt haben könne. Der Kasten und die Ampullen seien in russischer Sprache beschriftet, hieß es weiter. Es gebe aber noch keine Zuordnung zu bestimmten Athleten oder Nationalmannschaften. Der Kasten war in einem Mülleimer direkt neben dem Hotels Opalen im Stadtzentrum gefunden worden, das von EM-Teilnehmern aus mehreren Ländern bewohnt worden war. Die deutschen Athleten logierten in einem anderen Hotel.

Während der sieben Wettkampftage mit 1370 Athleten aus 48 Ländern und 47 Entscheidungen war kein einziger Athlet positiv auf Doping getestet worden. Insgesamt waren vom Europäischen Leichtathletik-Verband (EAA) mehr als 300 Kontrollen im Verlauf der Europameisterschaften durchgeführt worden. Alle Titelträger sowie weitere per Zufallsprinzip ausgewählte Athleten wurden kontrolliert. Diskus-Vize-Europameisterin Franka Dietzsch wollte freiwillig eine Probe abgeben – abgelehnt.

Die Funde in Göteborg wecken Erinnerungen an andere spektakuläre Dopingfälle. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin fanden italienische Polizisten bei einer Razzia im Quartier der österreichischen Langläufer und Biathleten rund 100 Spritzen, 30 Schachteln mit Medikamenten und diverse Hilfsmittel für Bluttests und Transfusionen. Gleichzeitig flohen die Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann in ihre Heimat. Auch der bis 2010 wegen Blutdopings gesperrte Biathlon-Trainer Walter Mayer, der sich zeitweise im österreichischen Quartier aufgehalten hatte, floh und prallte dabei in einen österreichischen Polizeiwagen und verletzte einen Beamten. Ein Gutachten bescheinigte ihm später temporäre Unzurechnungsfähigkeit. Perner und Rottmann beendeten ihre Karriere.

Beim Rad-Klassiker Giro d’Italia erwischten französische Polizisten an einer Mautstelle die Frau des italienischen Profis Dario Frigo mit zehn Portionen Epo. Schon beim Giro 2001 war Frigo in einen Dopingskandal verwickelt. Damals hatte die italienische Polizei in den Hotelzimmern von 20 Teams 290 Pharmaprodukte sowie Aufputschmittel, Blutpräparate und mobile Labors für Eigenversuche beschlagnahmt. Bei Frigo wurde ein Testosteron-Pflaster, eine Spritze mit Spuren des Wachstumshormon HGH sowie Ampullen mit einem Epo-ähnlichen Produkt gefunden. Er wurde danach sechs Monate gesperrt. Tsp

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