Sport : Ein Keil zwischen Bier und Ball

Lars Spannagel

Dabei waren Fußball und Alkohol doch immer unzertrennlich. Feucht-fröhliche Meisterschaftsfeiern, Fernseh-Kommentatoren im Weißbierrausch, beschwipste Funktionäre, Schnapsnasen auf Trainerstühlen, das Stadion als natürlicher Lebensraum des Suffkopfs – und das soll jetzt alles vorbei sein?

Immer häufiger wird von verschiedenen Seiten versucht, einen Keil zwischen Bier und Ball zu treiben. Bereits bei der WM 2006 wurde bei den Spielen ein amerikanisches Bierimitat ausgeschenkt, das Trinkern den Spaß am Hobby verdarb. Vor einer Woche erstattete die Belgrader Polizei Strafanzeige gegen den eigenen Staatspräsidenten, weil er sich nach der WM-Qualifikation des Nationalteams einen Schluck Champagner im Stadion genehmigt hatte – was das serbische „Gesetz zur Verhinderung von Gewalt und unpassendem Verhalten bei Sportereignissen“ verbietet. Anfang dieser Woche forderte die Gewerkschaft der Polizei, Alkohol in Fanzügen zu verbieten. Und das heutige Bundesligaspiel zwischen Mönchengladbach und Köln wird sogar komplett trockengelegt. Wo soll das nur hinführen? Haben die Moralapostel je versucht, ein 0:0 im November-Nieselregen ohne ein wärmendes Wässerchen zu überleben? Waren sie in den letzten Wochen einmal nüchtern im Berliner Olympiastadion?

Auf eine letzte Bastion kann sich der durstige Fan allerdings doch noch verlassen: Vor der WM in Südafrika wird die deutsche Nationalelf mit hochprozentiger Sicherheit Werbung für Bier machen. Beim DFB weiß man eben noch, dass Dienst Dienst ist.

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