Sport : Ein kleiner Neuanfang

Britta Becker kann sich vorstellen, schon bei der Hallen-WM wieder für die Hockey-Nationalmannschaft zu spielen

Stefan Hermanns

Berlin. Britta Becker hat die neue Entwicklung nur „aus der Zeitung entnommen“, und deshalb weiß sie auch gar nicht genau, wie sie die ganze Sache jetzt einschätzen soll. In der Zeitung stand, dass der Bundestrainer sie dazu überreden wolle, wieder für die Hockey-Nationalmannschaft zu spielen. Britta Becker weiß nicht, ob und wie Peter Lemmen das gesagt hat. Sie hat mit dem Bundestrainer noch nicht gesprochen, seitdem die Weltmeisterschaft in Perth zu Ende gegangen ist, bei der die Deutschen Platz sieben belegten.

Nur Platz sieben, könnte man auch sagen, und das erklärt, warum die Personalie Becker gerade wieder aktuell geworden ist. Britta Becker, 29 Jahre alt, war lange Deutschlands Rekordnationalspielerin, sie hat 224 Länderspiele bestritten, das letzte bei Olympia 2000 in Sydney. Und vor allem ist sie eine der wenigen Hockeyspielerinnen, die einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Kein Wunder, dass ihr Name nun wieder ins Spiel gebracht wird. Bei Stefan Effenberg und der Fußball-Nationalmannschaft war es nach der verkorksten WM 1998 nicht anders. Und doch gibt es einen Unterschied. „Ich habe schon Lust, noch mal in der Nationalmannschaft zu spielen“, sagt Britta Becker. Aber etwas Gegenteiliges hat sie ohnehin nie behauptet. Auch Bundestrainer Lemmen sagt, das Ganze sei „eine klar abgesprochene Sache“. Beide haben vereinbart, dass es im Januar wieder ein Gespräch gibt. Dann soll es darum gehen, ob Becker vielleicht schon bei der Hallen-Weltmeisterschaft im Februar in Leipzig das Nationaltrikot trägt.

Dass Britta Becker im November bei der WM in Perth nicht dabei war, hatte keine sportlichen, sondern nur familiäre Gründe. Becker, die mit dem Fernsehmoderator Johannes B. Kerner verheiratet ist, hat im vorigen Jahr ihr zweites Kind bekommen. Schweren Herzens, so sagt sie, habe sie ihre Teilnahme an der WM abgesagt, obwohl „der Bundestrainer mich gerne dabei gehabt hätte“. Aber Lemmen habe großes Verständnis für ihre Entscheidung gehabt.

Die 29-Jährige, die für den Großflottbeker THGC in der Bundesliga spielt, jedenfalls hat große Lust, schon in Leipzig bei der WM wieder für die Nationalmannschaft zu spielen – „wenn ich gesund und fit bin“. Allerdings könne sie sich ja schlecht selbst aufstellen. Vermutlich müsste sie das auch gar nicht. Für den Bundestrainer zählt Britta Becker „zweifelsfrei zu den besten Hallenspielerinnen“ in Deutschland, und schon vor einiger Zeit hat er ihr mitgeteilt, sie solle sich für die WM in Leipzig fithalten.

Um ihre Fitness „muss man sich keine Sorgen machen“, sagt Britta Becker. Und für die Halle, so sagt Peter Lemmen, sei die fehlende internationale Spielpraxis überhaupt kein Problem. Auf dem Feld sieht das anders aus. „Nach zwei Jahren Pause wäre das für jeden ein kleiner Neuanfang“, sagt der Bundestrainer. „Aber Britta würde das nach einer Anlaufzeit sicher wieder schaffen.“ Das aber ist ohnehin nicht die Frage. Ob Britta Becker wieder dauerhaft für die Nationalelf spielen wird, hängt auch weiterhin vor allem von ihrer familiären Situation ab. Zuletzt immerhin hat sie sich bei dem Gedanken erwischt, noch einmal bei Olympia zu spielen. „Organisatorisch würde ich das hinbekommen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben