Sport : Ein kleiner Schatten über Paris

Beeinflusst Frankreichs Nein zur europäischen Verfassung die Chancen der Olympiabewerbung?

Christian Tretbar

Paris - Die Stadt strahlt schon in den olympischen Farben. Die zahlreichen Brückenbogen, die sich über die Seine schwingen, bilden bei Dunkelheit die olympischen Ringe ab. Außerdem prangt am historischen Gebäude der Nationalversammlung und am Pariser Rathaus das leuchtend bunte Logo der Kampagne „Paris 2012“, wobei das „S“ und die „2“ ein Herz bilden. „L’Amour des Jeux“ – „Aus Liebe zu den Spielen“ heißt die Botschaft. Sechs Milliarden Euro investiert Paris in die Bewerbung und gilt nicht nur deshalb als Favorit um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2012, über die am Montag beim Kongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Singapur entschieden wird.

Und doch liegt ein kleiner Schatten über der Kandidatur. Denn das überwältigende Nein der Franzosen zur EU-Verfassung hinterlässt international keinen guten Eindruck. Die Organisatoren selbst haben sich vor dem Referendum für die Zustimmung zur Verfassung stark gemacht. „Es wäre sehr gut, wenn wir zeigen könnten, dass wir ein Land der Offenheit und Toleranz sind“, hatte Bertrand Delanoe vor der Abstimmung noch betont. Delanoe ist Bürgermeister der Stadt Paris und Präsident des Komitees „Paris 2012“. Am Abend des Referendums beeilte er sich denn auch sofort zu betonen, dass Frankreich die Verfassung zwar abgelehnt, aber die Stadt Paris mit einem deutlichen Ja votiert habe. 66 Prozent der Stimmberechtigten in Paris hatten zugestimmt. Dabei störte es Delanoe auch nicht, dass am Abend der Abstimmung tausende Neinsager in Paris feierten. Ausgerechnet am Platz der Bastille, von dem 1789 schon einmal eine große europäische Revolution ausgegangen ist. Der Pariser Bürgermeister glaubt nicht, dass diese Abstimmung negative Auswirkung auf die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees hat: „Das ist eine innenpolitische Frage, die keinen Einfluss auf die Dynamik und die Chancen unserer Kandidatur haben wird.“

Auch der Generaldirektor des Komitees, Philippe Baudillon, glaubt nicht an einen negativen Einfluss: „Es geht bei der Wahl um den Austragungsort nicht um Politik, sondern darum, welche Stadt die besten Voraussetzungen und die beste Organisation hat.“ Da habe Paris eindeutig die besten Karten. 44 Millionen Touristen kommen jährlich nach Paris. Hotels und Infrastruktur sind bereits in großem Maß vorhanden: 140 000 Zimmer gibt es in 2500 Hotels allein im Stadtzentrum. Die Spiele sollen im Herzen der vielleicht schönsten Stadt stattfinden. Das Olympische Dorf soll 45 Hektar groß werden, die Entfernung zu den Wettkampfstätten beträgt im Schnitt nicht mehr als zehn Minuten. 17 000 Personen können im Dorf beherbergt werden, nach den Spielen soll daraus ein neues Wohn- und Arbeitsquartier werden.

Im Umgang mit sportlichen Großereignissen haben die Pariser ebenfalls Erfahrung. Zweimal haben sie die Olympischen Spiele schon ausgerichtet, wenngleich das lange her ist: 1900 und 1924. In jüngster Zeit wurden in Frankreich die Weltmeisterschaften im Fußball (1998) und in der Leichtathletik (2003) ausgetragen. Moderne Stadien wie das Stade de France gibt es schon. Nur ein Schwimmstadion fehlt noch, das aber bereits geplant ist und bis 2012 fertig sein wird.

Ein Aushängeschild ist auch die Tennisanlage Roland Garros, auf der zurzeit wieder die French Open ausgespielt werden. Dort wird ein neuer Centre Court gebaut, der mehr als 15 000 Zuschauern Platz bieten soll. „Und sollte die Entscheidung für Paris fallen, wäre die Finanzierung leichter“, sagt der Präsident des französischen Tennisverbandes, Christian Bîmes. Der Verband stehe hundertprozentig hinter der Bewerbung. In Roland Garros prangt überall das Logo der Bewerbung, viele Tennisstars haben sich für Paris ausgesprochen. Selbst amerikanische Spieler wie James Blake oder der Brasilianer Gustavo Kuerten. Auch 90 Prozent der französischen Bevölkerung unterstützen die Bewerbung ihrer Hauptstadt. Und viele von ihnen werden am heutigen Sonntag auf dem Prachtboulevard Champs-Elysees erwartet. Die breite Straße wird zu einem olympischen Sportfeld umgewandelt, auf dem alle olympischen Disziplinen vorgeführt werden sollen. Paris will die Liebe für die Spiele und die Offenheit demonstrieren – trotz Referendum.

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