Sport : Ein kleines bisschen Rache

Der FC Schalke 04 gewinnt gegen Wolfsburg und seinen früheren Trainer Felix Magath 1:0

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
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Ralf Rangnick hatte sich die Atmosphäre bei seiner Heimpremiere als Trainer des FC Schalke 04 auf plastische Art ausgemalt. Wenn es richtig gut laufe, etwa so wie im Champions-League-Heimspiel vor einigen Wochen gegen Valencia, dann werde „der Rest des Daches auch noch wegfliegen“, sagte der neue Trainer des Revierklubs. Das Dach war schon schadhaft, als Felix Magath auf Schalke noch das Sagen hatte. Und auch bei jener Partie gegen Valencia war er noch verantwortlich für das Weiterkommen der Königsblauen. 24 Tage nach seiner Entlassung kehrte Magath an seinen alten Arbeitsplatz zurück.

Der Rest des Daches ist am Samstag nicht weggeflogen, dafür war das Geschehen auf dem Rasen vier Tage nach dem Schalker 5:2-Erfolg in der Champions League gegen den Titelverteidiger Inter Mailand zu lange zu stark von Mittelmaß geprägt. Den Hausherren gelang es nicht, „Wolfsburg schön wegzuhauen“, wie es Verteidiger Hans Sarpei angekündigt hatte. Dank José Manuel Jurados Treffer in der 76. Minute reichte es aber vier Tage nach dem wundersamen Triumph in der Champions League immerhin zu einem 1:0.

Von den drei Schalker Siegen binnen neun Tagen „war das nicht der wertvollste, aber der wichtigste“, sagte Rangnick. „Wir haben uns endgültig aller Abstiegssorgen entledigt. Jetzt können wir uns in den Pokalwettbewerben darauf konzentrieren, aus dieser Spielzeit noch eine außergewöhnliche Saison zu machen.“

Wolfsburg dagegen muss weiter um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga bangen. „Wir müssen die Situation besser begreifen“, sagte Magath. „Wir haben zu wenig dafür getan, das Spiel zu gewinnen. Es fehlt an Selbstbewusstsein. Vielleicht hat der eine oder andere noch nicht begriffen, was es heißt, gegen den Abstieg zu kämpfen oder gar abzusteigen.“

Anders als drei Wochen zuvor hatten die Fans des FC Schalke vor dem Anpfiff auf Missfallenskundgebungen gegen Magath verzichtet. Kein Transparent, kein Schmähruf, die Gegner des früheren Gelsenkirchener Impresarios zeigten sich als schweigende Mehrheit. Die Ruhe auf den Rängen wurde durch das Geschehen auf dem Rasen zunächst nicht gestört. In der Frühlingssonne vermochten sich beide Mannschaften nicht zu großen Taten aufzuraffen. Torchancen deuteten sich bestenfalls an. Wenn dem Schalker Spiel in dieser Phase ein Wert zueigen war, dann war es ein Wiedererkennungswert. Die Westfalen kickten ähnlich uninspiriert, wie sie es schon unter Magath gemacht hatten.

Nach der Pause deuteten einige Vorstöße auf einen Zuwachs an Tatendrang hin. Distanzschüssen von Uchida und Edu folgte ein Lattentreffer des Einwechselspielers Alexander Baumjohann. Aus Sicht der Schalker stimmte nun die Richtung – und am Ende sogar das Ergebnis. Schalke war, trotz einiger Schwächen, heil im Alltag gelandet und feierte den ersten Erfolg über Wolfsburg nach acht vergeblichen Anläufen.

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