Sport : Ein kleines Problem namens Fulham

Hertha BSC braucht heute in London einen Erfolg im Uefa-Cup – für die Lösung der großen Probleme

Sven Goldmann

London. Dieter Hoeneß liest zurzeit nicht besonders gern Zeitung, und den Fernseher mag er auch kaum anschalten. Es wird in diesen Tagen über Hertha BSC zwar viel, aber nicht besonders nett berichtet. Zweifel werden artikuliert, ob der große mächtige Mann des Berliner Bundesligisten die richtige Mannschaft zusammengekauft hat. Seit ein paar Tagen hat Hoeneß nun auch noch eine vom Personal selbst losgetretene Diskussion über einen Mangel an Führungsspielern am Hals. Hoeneß gibt zu, „dass wir über das Thema intern schon seit langem reden. Aber das sind die großen Probleme, die müssen uns jetzt nicht interessieren, wir müssen erst mal unsere kleinen Probleme lösen.“

Das erste dieser kleinen Probleme heißt FC Fulham und will den Berlinern heute (18 Uhr, live in der ARD) den Einzug ins Achtelfinale des Uefa-Cups verbauen. 2:1 haben die Berliner das Hinspiel gewonnen, „aber wir wissen ja, dass englische Mannschaften zu Hause eine Klasse besser spielen“, sagt Kapitän Michael Preetz. Was er nicht sagt, aber meint: Schon in Berlin waren die Londoner keineswegs schlechter als Hertha.

Es ist weniger das sportliche Renommee, nach dem die Berliner gieren. Herthas Finanzexperte Ingo Schiller hat ausgerechnet, dass ein Verein im Achtelfinale des Uefa- Cups allein 1,5 Millionen Euro an Fernseheinnahmen buchen kann. Dazu kommen Eintrittsgelder und Prämien von der Uefa – Geld, das Hertha dringend benötigt für die Lösung der großen Probleme. Nach dem Abschluss der Bundesliga-Hinrunde am Sonntag in Kaiserslautern wird Hoeneß mit Trainer Huub Stevens über die Mannschaft für die kommende Saison sprechen. Hoeneß’ indirektes Eingeständnis, es mangele dem Team an Spielern mit Verantwortungsbewusstsein, dokumentiert den Handlungsbedarf. Stevens ist nach den Leistungen der vergangenen Wochen der Satz über die Lippen gerutscht, er müsse hier in Berlin mit dem auskommen, was er habe. Das könnte durchaus bösartig interpretiert werden in Zeiten, da Anspruch und Wirklichkeit bei Hertha so weit auseinander klaffen wie lange nicht.

Es sind vor allem die erfahrenen Spieler, die deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Mit Stefan Beinlich war Stevens zuletzt so unzufrieden, dass er ihn nicht einmal nach London mitnehmen mochte. Beinlichs Vertrag läuft zum Saisonende aus. Er würde wohl schon aus familiären Gründen gern in Berlin bleiben. Wenn Hertha seinen Vertrag noch einmal verlängert, dann wohl nur zu deutlich verringerten Bezügen. Das gilt in abgeschwächter Form auch für Nationalspieler Marko Rehmer. Und Dick van Burik hat in dieser Saison wie schon so oft zuvor wegen vieler Verletzungen nicht den Beweis erbringen können, dass er entscheidend helfen kann. Auch sein Vertrag läuft aus.

Huub Stevens hat vorher gewusst, dass dies ein Jahr des Umbruchs wird. Die neue Hertha soll jung und attraktiv sein. Gern würde Hoeneß Nationalspieler Arne Friedrich langfristig an den Verein binden, und auch ein ernstes Interesse am Lauterer Miroslav Klose wird von dessen Berater bestätigt. Dafür braucht Hertha Geld. Im Uefa-Cup kann es verdient werden. Wenn da nicht das kleine Problem namens Fulham wäre.

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