Sport : Ein Knöllchen für den Blechschaden

Nach dem Unfall von Hockenheim: Weltverband Fia wandelt Ralf Schumachers Strafversetzung in eine Geldbuße von 50 000 Dollar um

Karin Sturm

Es dauerte länger als erwartet – dafür fiel das Urteil dann auch ein bisschen anders als von vielen Experten erwartet aus: Um 11 Uhr vormittags sollte eigentlich das Berufungsgericht des Automobilsport-Weltverbandes Fia sein Urteil im Fall Ralf Schumacher verkünden. Am Ende war es kurz vor vier, als die Entscheidung zum Startunfall beim Großen Preis von Deutschland bekannt gegeben wurde. BMW-Pilot Schumacher durfte zufrieden sein. Zwar muss er jetzt 50 000 Dollar Geldstrafe zahlen, aber das schmerzt entschieden weniger, als wenn er am kommenden Sonntag beim Großen Preis von Ungarn auf dem Hungaroring in der Startaufstellung um zehn Plätze weiter nach hinten gemusst hätte.

Diese ursprünglich verhängte Strafe hatte das Berufungsgericht als zu hart empfunden, sie deshalb aufgehoben und durch die Geldbuße ersetzt – mit ausdrücklicher Betonung darauf, dass sich an der Schuldfrage nichts ändere. Denn dass Ralf Schumacher die Hauptschuld an dem Startcrash trug, der ja auch Rubens Barrichello und Kimi Räikkönen noch vor der ersten Kurve ausschaltete, dass sein Linienwechsel so nicht akzeptabel gewesen sei, dieser Meinung der Sportkommissare von Hockenheim schlossen sich jetzt auch die Berufungsrichter in Paris an. Allerdings berücksichtigten sie wohl im Strafmaß schon eher die besonderen Umstände, also in erster Linie die unübersichtliche Situation für Ralf Schumacher nach dem Start. Und es wird wohl auch eine Rolle gespielt haben, dass solche Aktionen am Start in der Formel 1 durchaus üblich sind.

„Erwartet habe ich dieses Urteil nicht“, schrieb Ralf Schumacher am Mittwoch auf seiner Homepage, nachdem er von seinem Teamchef Frank Williams informiert worden war, „ich hab’ das Ganze auf mich zukommen lassen, die Hoffnung war aber da.“ Der frühere Grand-Prix-Pilot und RTL-Kommentator Christian Danner freute sich für seinen Landsmann: „Die ursprüngliche Strafe war viel zu hart. Dass die Sportkommissare versucht haben, für den Unfall einen Schuldigen zu finden, das ist normal, das ist ihre Aufgabe. Dass sie sich dann Ralf Schumacher aussuchten, ist auch noch nachvollziehbar, hat aber leider mit der Realität des Rennsports überhaupt nichts zu tun. Beim Start ist jeder Fahrer vollauf damit beschäftigt, nur nach vorne zu schauen und Zwischenfällen aus dem Weg zu gehen. Da kann man nicht mehr groß in den Spiegel, nach hinten oder zur Seite schauen, ob es da vielleicht zu eng wird. Das war einfach ein ganz normaler Rennunfall, bei dem drei Leute Riesenpech hatten, dass ihnen da am Ende die Straße ausgegangen ist.“

Und doch waren Experten wie Danner überrascht davon, dass das Urteil so stark abgemildert wurde. Schließlich hat sich der Weltverband bei ähnlichen Fällen bisher nicht als besonders flexibel erwiesen. In Berufungsfällen hatte die Fia die Urteile der ersten Instanz meist bestätigt. In manchen Fällen hatte das Berufungsgericht sogar noch härter geurteilt. Zum Beispiel im Fall des Nordiren Eddie Irvine. Der war 1994 zunächst für ein Rennen gesperrt worden, weil er beim Großen Preis von Brasilien in Interlagos einen Massencrash ausgelöst hatte. Irvine ging in Berufung – und wurde prompt für drei Rennen gesperrt. Und als die Fia tatsächlich einmal ein Urteil aufhob, da hatte das wohl mehr mit politischen und kommerziellen Interessen an einem WM-Finale im letzten Rennen zu tun. Das war im Jahr 1999 in der berühmt-berüchtigten Windabweiser-Affäre um Ferrari in Malaysia. Damals wurden Teile, die selbst Ferrari-Techniker vor Ort schon als illegal bezeichnet hatten, doch wieder legal. Das Geschrei war groß, der Vorwurf der Manipulation stand im Raum. Immerhin blieb dem Ferrari-Piloten Eddie Irvine durch das Urteil die Möglichkeit, im letzten Rennen in Suzuka den Titelverteidiger Mika Häkkinen als Weltmeister abzulösen. Der Finne aber behielt die Nerven, gewann das Saisonfinale und wurde erneut Weltmeister.

Diesmal hatten Ralf Schumacher und das Williams-Team mit ihrer aufwändigen Präsentation von Daten und Videobeweisen das Berufungsgericht umgestimmt. Die Richter fanden doch noch einen Kompromiss, der die eigenen Sportkommissare nicht vor den Kopf stößt, der aber gleichfalls verhindert, dass eine sehr umstrittene Strafe am Ende vielleicht den Ausgang der Weltmeisterschaft entscheidet.

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