Sport : Ein Krieger sucht seinen Frieden

Okulaja will für Köln sein Bundesliga-Comeback geben – mit seinem alten Klub Alba hat er abgeschlossen

Martin Fünkele[Köln]

Nach 2065 Tagen soll es endlich soweit sein. Heute will der deutsche Nationalspieler Ademola Okulaja erstmals wieder in der Basketball-Bundesliga (BBL) auflaufen, für Rhein Energie Köln im Energy Dome gegen Quakenbrück. Sein letztes Spiel für ein einheimisches Team bestritt der Mann, der als zweitbester deutscher Basketballer nach NBA-Star Dirk Nowitzki gilt, vor fünfeinhalb Jahren – für Alba Berlin. Danach entwickelte sich der 30-Jährige, Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, in Spanien zu einem europäischen Spitzenspieler. 139 Länderspiele hat er bestritten, 2002 wurde er WM-Dritter. Seine Fans ehrten ihn mit dem Spitznamen „The Warrior“, der Krieger.

Zu kämpfen hatte er in den letzten Monaten reichlich. Im November 2004 verletzte er sich am Meniskus des linken Knies. Komplikationen nach einer Operation und ein zu frühes Comeback für Valencia kosteten ihn die Teilnahme an der EM 2005, bei der Deutschland Silber gewann. In der Kölner Media-Park-Klinik wurde schließlich eine Knochenabsplitterung aus dem dauergereizten Meniskus entfernt. Seitdem quälte sich Okulaja täglich bis zu acht Stunden in der Reha. „Am meisten vermisst habe ich die Herausforderung. Dieser männliche Trieb zu beweisen, dass du besser bist“, sagt Okulaja. Nur gut, dass die Mitarbeiter der Reha-Klinik eine Stoffpuppe aufhängten, eine Art Box-Sack. „Er wurde mein bester Freund“, sagt Okulaja.

Warum der gebürtige Berliner, der bei TuS Lichterfelde und Alba Berlin Basketballspielen lernte, sein Comeback für Köln statt für Alba gibt? „Von Alba bin ich in keiner Hinsicht angesprochen worden.“ Ohnehin sei die medizinische Betreuung in Köln besser. „Die gibt es in Berlin nicht auf diesem Niveau“, sagt Okulaja.

Der Basketballprofi vergleicht sein derzeitiges Leistungsniveau mit dem „im Trainingslager“. Für seinen Trainer Sasa Obradovic ist das schon mehr, als er zu hoffen gewagt hatte. Neulich habe ihn der Spieler gefragt, was er sich zum neuen Jahr wünsche. „ Ich habe ihm nur gesagt: ein gesundes Knie! Den Rest kannst du dir schenken.“ Bis Okulaja allerdings wieder seine alte Form erreicht hat, wird es noch einige Zeit dauern. Kämpfen werde er immer, doch „die Leute erwarten ja auch Körbe von mir. Die ergeben sich – aber dominant werde ich noch nicht sein können“. Doch egal wie Okulaja zu Beginn spielt: Er ist ein enormer Gewinn für die ansonsten so gesichtslose BBL. Das demonstrierte auch unlängst die Abstimmung für das Allstar-Game am 28. Januar in Köln: 2287 Fans wollten Okulaja in der Startformation sehen. Das hat zwar nicht ganz gereicht, doch die Konkurrenz hat schließlich seit Monaten Spielpraxis.

Köln erhofft sich von Okulajas Verpflichtung einiges. In einem komplizierten Vertragswerk, über das beide Seiten Stillschweigen vereinbarten, räumte der Klub dem Spieler zwar ein, innerhalb von 24 Stunden zu gehen, „wenn ich ein Angebot aus dem Ausland annehme“, sagt Okulaja. Im Gegenzug rechnet sich RheinEnergie bei einer endgültigen Rückkehr Okulajas nach Deutschland gute Chancen aus, ihn zu verpflichten. Der Deal könnte klappen. Vor kurzem wurde Okulaja auf der Straße von einem Jungen angesprochen. Der sagte: „He Ademola, du bist so geil. Scheiße, dass du nicht bei der EM dabei warst, sonst hätten wir Gold gewonnen“. Das hat ihm gefallen. In Berlin sei ihm das noch nie passiert.

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