Sport : Ein Land, eine Liebe

Ein Buch über den italienischen Fußball

André Görke

Ach, Italiener und ihr Fußball, da entstehen wunderbare Legenden wie diese: Als die Journalistin Giuliana Sgrena im Irak entführt wurde, forderte Francesco Totti – Kapitän des AS Rom – im Fernsehen die Freilassung. Einer der irakischen Kidnapper soll die Botschaft seines großen Idols gesehen haben und sei daraufhin „völlig aufgelöst“ zu Sgrena gegangen. (Ja, später kam sie frei, gewiss nicht wegen Totti, aber schön ist die Legende allemal.)

Die Italiener und ihr Fußball, das bedeutet leider auch: Fans, die den Hitlergruß zeigen und faschistische Parolen auf Plakate malen. (Die Italiener spielen morgen gegen Deutschland übrigens in Florenz, einer Hochburg von linken Fußballfans).

Birgit Schönau hat in ihrem Buch „Calcio“ versucht, alle relevanten Themen zumindest anzuschneiden. Die bizarren Auftritte von Minister- und (Ex-)Milan-Präsident Berlusconi, das Engagement Fiats bei Juventus Turin oder auch die Verstrickungen der Mafia in den unteren Fußballligen. Nur: Leider liest sich vieles so packend wie die Magisterarbeit eines Geographiestudenten. Ein bisschen mehr Gefühl hätte es sein dürfen.

— Birgit Schönau: Calcio. Die Italiener und ihr Fußball. Kiepenheuer & Witsch. 213 Seiten, 7,90 Euro.

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