Sport : Ein lauter Sieg

Auch als die Fans noch schweigen, spielt der HSV schon groß auf und schlägt Schalke schließlich 3:1.

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Ohrenbetäubende Stille. Nicht nur in Hamburg, auch in allen anderen Stadien des deutschen Profifußballs verzichteten gestern die Fans in den ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden darauf, die Mannschaften anzufeuern. Foto: dpa
Ohrenbetäubende Stille. Nicht nur in Hamburg, auch in allen anderen Stadien des deutschen Profifußballs verzichteten gestern die...Foto: dpa

Die Begegnungen in der Bundesliga begannen am gestrigen Abend mit Zurückhaltung. Die Fans in den Stadien beteiligten sich an einer bundesweiten Protestaktion gegen ein neues Sicherheitskonzept der Liga-Organisatoren und verbrachten die ersten zwölf Spielminuten schweigend. Die ungewohnte Stille in der sonst für ihre gute Stimmung berühmten Hamburger Arena schlug sich allerdings nicht auf das Spiel des HSV nieder. Die Hamburger überzeugten mit erfrischendem Fußball gegen Schalke 04 und gewannen vor 47 127 Zuschauern verdient 3:1 (0:0).

Zur Pause spendete HSV-Trainer Thorsten Fink seinen Spielern Beifall. Ohne die verletzten Stützen Rafael van der Vaart und Heung-Min Son hatte mancher ja den baldigen Sturz der Hamburger in den Tabellenkeller befürchtet, doch „man merkt, wir rücken zusammen“, meinte HSV-Kapitän Heiko Westermann nach Spielende und warnte: „Aber man darf jetzt nicht durchdrehen.“ Gegen den FC Schalke schlug seine Elf in ungewohnter Aufstellung und mit ungewohnter Taktik (Mittelfeldraute, zum ersten Mal unter Fink) den Weg nach vorn ein und konnte als Schwungrad auf einen Profi vertrauen, der zum ersten Mal seit dem 0:1 gegen Nürnberg am ersten Spieltag in der Startelf stand: der Norweger Per Ciljan Skjelbred gilt als Winter-Verkaufskandidat, doch am Dienstagabend bot er Kostproben seines Könnens an. Er war nicht nur gedanklich meist schneller als seine Schalker Gegenspieler und inszenierte einige schöne Hamburger Angriffe. Überhaupt war es munter, was dieser HSV zeigte gegen eine Gelsenkirchener Mannschaft, die bereitwillig teilnahm an einer unterhaltsamen ersten Halbzeit – an deren Ende stand ein leichtes Chancenplus von fünf zu vier für die Heimmannschaft. Laufbereitschaft und Einsatz stimmten beim HSV, und auch die Pässe kamen an diesem Abend viel besser an als beim dürftigen Auftritt in Düsseldorf am vergangenen Freitag (0:2). Fünf Tormöglichkeiten, und fünf Mal scheiterten Aogo, Rudnevs, Skjelbred, noch einmal Aogo und Beister am eigenen Unvermögen. Drei dieser aufregenden Szenen fielen in die Phase mit gespenstischer Stille im Stadion, auf ein Banner hatten die Fans geschrieben: „Eine Stimme, keine Stimmung“.

Als der Hamburger Führungstreffer nicht fiel, kam Schalke auf. Zweimal hätte Klaas-Jan Huntelaar beinahe gejubelt, Chinedu Obasi war noch näher dran, als Arslan seinen Kopfball von der Linie kratzte. Viele Chancen, keine Tore – das änderte sich nach der Pause, als erst Maximilian Beister und dann Artjoms Rudnevs den sechsten Hamburger Saisonsieg mit ihren Treffern grundierten. Klaas-Jan Huntelaars Nachschuss nach einem Handelfmeter sorgte noch einmal für Spannung, aber Hamburg hielt sich schadlos bis zum Ende, auch dank eines starken René Adlers im Tor und Milan Badeljs Foulelfmeter zum 3:1.

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