Sport : Ein Leben für den Marathon

Irina Mikitenko startet heute in London

Jörg Wenig

London - Ein halbes Jahr ist es her, da antwortete Irina Mikitenko auf die Frage, ob sie Marathonläuferin wird, achselzuckend: „Fragen Sie mich hinterher.“ Mit ,hinterher’ meinte sie, nach ihrem Marathon-Debüt in Berlin Ende September. Das absolvierte Irina Mikitenko dann mit Bravour: Als Zweite, nur geschlagen von Äthiopiens Weltklasseläuferin Gete Wami, lief sie ins Ziel in hochklassigen 2:24:51 Stunden. Es war das schnellste Marathondebüt einer deutschen Läuferin aller Zeiten. Nicht einmal Uta Pippig und Katrin Dörre kamen einst bei ihren Premieren an eine solche Zeit heran.

Nach dem Berlin-Marathon stellte sich die besagte Frage nicht mehr. Die frühere Bahn-Langstrecklerin hat sich für das Rennen über die klassischen 42,195 km als zentrale künftige Disziplin entschieden. Heute will sie den nächsten Schritt machen auf dem Weg zur Marathon-Weltspitze. Die 35-jährige Läuferin des TV Wattenscheid startet in London. In Peking wird Mikitenko auch Marathon laufen. Nach ihrem glänzenden Debüt ist ihr die Nominierung sicher.

Mit dem London-Marathon hat sich Irina Mikitenko das härteste Rennen des Frühjahrs ausgesucht. Einen besseren Test für Peking kann es kaum geben, selbst wenn die britische Weltrekordlerin Paula Radcliffe aufgrund einer Zehenverletzung fehlt. „Wenn man immer nur in Deutschland läuft, kann man sich nicht weiterentwickeln“, sagt Mikitenko. Sie wird deshalb nicht in Hamburg, Düsseldorf oder bei den Deutschen Meisterschaften in Mainz starten. „Es ist natürlich angenehm, wenn man in Deutschland läuft: Da kannst du mit dem eigenen Auto zum Wettkampf fahren, du bekommst deine eigenen Tempomacher für das Rennen und dein Trainer darf dich während des Laufes auf dem Fahrrad begleiten.“ Das alles gibt es in London nicht – gerade deswegen fährt Mikitenko dort hin, obwohl sie, aus Kasachstan stammend, nicht Englisch spricht.

„Richtung Olympia gedacht, hilft mir London sicher mehr als ein anderes Rennen“, sagt die zweifache Mutter. Das Familienleben koordiniert sie neben dem umfangreichen Training, denn ihr Mann und Coach Alexander ist als Metallarbeiter voll berufstätig. „Ich habe besser und umfangreicher trainiert als vor Berlin“, sagt die Olympia-Fünfte über 5000 Meter von Sydney 2000, die auch vier Wochen in der Nähe ihrer früheren Heimat in Kirgisien trainierte. Jörg Wenig

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