Sport : Ein letzter Gruß

Der VfL Wolfsburg trennt sich von Jürgen Röber und stellt Erik Gerets als neuen Trainer ein

Frank Hellmann,André Görke

Von Frank Hellmann

und André Görke

Wolfsburg/Berlin. Schon am Abend ahnte Jürgen Röber, was ihn erwarten würde. Allein stand der Trainer des VfL Wolfsburg im Keller der Volkswagen-Arena. Die Lage war klar, sein Team hatte 1:5 gegen Stuttgart verloren. Am nächsten Tag müsste Röber gehen. „Ich weiß doch, was kommt“, sagte er.

In der Tat kam am Sonntag, was kommen musste. Um 10.30 Uhr hatte sich der Wolfsburger Aufsichtsrat im Gästehaus „Rothehof“ getroffen, nicht weit entfernt vom Stadion. Es gab nur einen Tagesordnungspunkt, und der hieß Röber. Nach eineinhalb Stunden und einigen Tassen Kaffee verließen die Herren das Gebäude, dann verkündeten sie per Eilmeldung: „Der VfL Wolfsburg hat Trainer Jürgen Röber und dessen Assistenten Bernd Storck mit sofortiger Wirkung freigestellt“. Die beiden wurden über ihre Mobiltelefone informiert.

Während am Sonntagmittag Torwarttrainer Jörg Hoßbach mit den Spielern über den Fußballplatz joggte, war der Wolfsburger Manager Peter Pander mit dem Auto unterwegs. Er traf sich mit Erik Gerets, dem ehemaligen Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Das Gespräch mit dem Belgier hatte einen eindeutigen Ausgang: Der 49-Jährige ist nun Trainer des VfL und erhält einen Zweijahresvertrag bis zum 30. Juni 2006.

Manager Pander handelte also viel schneller, als es dem Klub bei der seit Wochen angekündigten Entlassung Röbers gelungen war. Doch nun steht auch er in der Kritik. Am Abend zuvor hatte schon Röber gesagt: „Man kann nicht zwölf Millionen Euro investieren und dann sofort glauben, nach oben durchzustarten.“ Auch intern wunderten sich gestern einige beim VfL, dass der Mann, „der alle hier verpflichtet, noch immer sorgenfrei arbeiten kann“. Wolfgang Wolf, Stefan Effenberg, Jürgen Röber – die VfL-Fans merken auf der Internetseite des Klubs kritisch an, dass Pander Verantwortung für diese gescheiterten Hoffnungsträger hat.

Und doch hat es der Manager am Sonntagmorgen im Gästehaus „Rothehof“ geschafft, die Entscheider des Klubs hinter sich zu bringen. Nach und nach hat er sich gegenüber dem elfköpfigen Aufsichtsrat mit seiner Meinung durchgesetzt, dass Röber eine Fehlbesetzung sei. Selbst die Befürworter des Trainers konnten die sportlichen Ergebnisse nicht mehr ausblenden. „Es ist die schwierigste Situation, in der der VfL Wolfsburg je gesteckt hat“, sagte Pander zuvor. „Wir müssen uns mit dem Gedanken an den Abstieg vertraut machen.“ Ob denn eine Rolle gespielt habe, dass Röber und Pander nicht viel voneinander halten, wurde der Manager gefragt. „Ich bin kein Feind von Jürgen Röber“, antwortete Pander. „Aber ich bin ein Freund von erfolgreichem Fußball in Wolfsburg.“ Eine diplomatische Aussage.

Tatsächlich sieht Röbers Bilanz schlecht aus. Die Hälfte seiner 38 Spiele in seiner 13 Monate dauernden Amtszeit hat er verloren. Und weitaus schlimmer ist: In der derzeitigen Verfassung, das war beim 1:5 gegen den VfB Stuttgart zu sehen, ist das Team nicht erstligatauglich. „Eigentlich können wir ganz anders spielen“, behauptet Spieler Hans Sarpei und bleibt die Antwort schuldig, ob es einen Zusammenhang zur Arbeit des Übungsleiters gibt. Die Fußballprofis jedenfalls haben nicht den Eindruck erweckt, als wären sie sehr interessiert an den Anweisungen des Trainers gewesen.

Röber sah am Abend traurig aus. In einer Woche spielt der VfL in Berlin, gegen Hertha, Röbers ehemaligen Arbeitgeber. Viele Kollegen hat Röber damals mit nach Wolfsburg genommen, nicht nur seinen Assistenten, sondern auch den Physiotherapeuten, die beiden Talentspäher von Hertha BSC. In Berlin war man daraufhin intern „stinksauer“, aber dort hieß es auch, dass „sie in Wolfsburg jetzt immerhin Männer mit Fußball-Sachverstand haben“.

Erst vor wenigen Monaten ist Jürgen Röber nach Wolfsburg gezogen, bis dahin ist er oft mit der Bahn gependelt. Kollegen haben ihn begleitet, der Wolfsburger Jugendtrainer Heikko Glöde etwa, auch ein Berliner. Oder Pablo Thiam, ein Stammspieler. Seit Sonntag fällt der Mitfahrerrabatt der Bahn weg.

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