Sport : Ein Lichtblick nach sieben Monaten

Bei Ajax Amsterdam galt Nando Rafael als „eines der größten Talente“ – bei Hertha hat er erst jetzt sein erstes Bundesligaspiel bestritten

André Görke,Stefan Hermanns

Von André Görke und

Stefan Hermanns

Amsterdam/Berlin. Der Kontakt besteht noch, aber er hat nachgelassen. Nigel de Jong sagt, das liege am Stress. Alle drei, vier Tage steigt er ins Flugzeug, nach Rom, London, Mailand. Nigel de Jong ist Fußballprofi, er spielt für Ajax Amsterdam. Heute Abend muss er wieder ran. Champions League, Viertelfinale. Gegen den AC Mailand. Am nächsten Tag wird er seinen Kumpel Nando Rafael anrufen und erzählen, wie es war, vor 52 000 Menschen gegen den Ball zu treten.

De Jong telefoniert öfter mit Nando Rafael, „bestimmt drei, vier Mal in der Woche“. De Jong sagt: „Er hat es leider nicht einfach in Deutschland. Dort den Durchbruch zu schaffen, das ist schwierig.“ Nando Rafael steht bei Hertha BSC unter Vertrag. Im August war es, als der 19-jährige Stürmer in Berlin einen Arbeitsvertrag bis 2006 unterschrieb. Herthas Trainer Huub Stevens sagte damals: „Der Junge ist ein Riesentalent.“

Große Worte waren das. Und trotzdem musste die Öffentlichkeit sieben Monate warten, bis sie „das Riesentalent“ in der Bundesliga sehen durfte. Am Sonnabend war es soweit, in Leverkusen, da durfte er die letzten 20 Minuten mitspielen. Manager Dieter Hoeneß sprach am nächsten Tag „von einem der wenigen Lichtblicke“ an diesem Nachmittag. Hertha hatte in Leverkusen 1:4 verloren. Zufrieden war nur Rafael.

Über ein halbes Jahr hatte er in den Telefonaten mit de Jong wenig zu erzählen. Rafael trainierte zwar mit den Profis, spielen musste er bei Herthas Amateuren in der viertklassigen Oberliga Nordost. Neulich kamen gegen den Köpenicker SC gerade mal 17 Zuschauer ins Stadion. In jenen Tagen meldete sich dann Ajax-Jugendkoordinator Danny Blind zu Wort. Er sagte: „Nando Rafael hat Heimweh.“

In den Niederlanden stand Rafael bei Ajax Amsterdam unter Vertrag, er gehörte zu jenem Jahrgang, der heute zu den Champions-League-Spielen reist. Blind sagt: „Er ist vom gleichen Kaliber wie ein Nigel de Jong.“ Als Rafael vor einem Jahr für Ajax Amsterdam im Pokal-Halbfinale beim Stand von 0:2 gegen den FC Utrecht sein Debüt gab, schoss er zwei Tore. Die niederländische Zeitschrift „Foetbal international“ nennt ihn seitdem voller Hochachtung „eines der größten Ajax-Talente“. Dass er den Klub im Sommer verlassen hat, „das war wie ein Dolchstoß in unseren Rücken“, sagt Blind.

Im Sommer hatte Rafael Post von den niederländischen Behörden erhalten. Seine Aufenthaltsgenehmigung war abgelaufen. Rafael war Asylbewerber, er ist in Angola geboren. 1992 wurde dort während des Bürgerkrieges seine Familie ermordet. Rafael sagt: „Ich habe nur überlebt, weil ich mir bei einer Nachbarin ein Fußballspiel anschauen wollte. Unser Fernseher war kaputt.“ Dass Rafael auf dem Transfermarkt war, hat Herthas Manager Hoeneß von Sören Lerby erfahren, einem Freund aus gemeinsamen Tagen beim FC Bayern. Die Münchner hätten ebenfalls Interesse gehabt, „aber wir waren zuerst dran“, sagt Stevens.

Talente wie Rafael haben es schwer in Berlin. So soll Hertha den offensiven Mittelfeldspieler Nderim Nedzipi Inter Mailand knapp vor der Nase weggeschnappt haben. Das Gleiche wird über Sead Zilic erzählt. Stevens sagt: „Nando Rafael ist anders. Er hat das Gefühl, das ein Stürmer haben muss.“ Nur warum spielt er dann in der Oberliga? Manager Hoeneß sagt: „Die niederländische Liga ist schwächer, dort gibt es nur drei, vier gute Mannschaften.“ Nando werde im Sommer „ein vollwertiges Mitglied der Profimannschaft “ sein. Das Potenzial hat er. Im November durfte er im Europapokal gegen Nikosia mitspielen, und der Reporter vom ZDF schwärmte: „So einen Jungen wie ihn sieht man nur alle Jubeljahre“.

Seit jenem Spiel ist Rafael in Vergessenheit geraten. „Als wir Probleme im Sturm hatten, hätte er uns nicht geholfen“, sagt Stevens. Ajax-Koordinator Danny Blind ist etwas irritiert. Er sagt: „Wir sind froh, dass er in einem guten Verein mit einem guten niederländischen Trainer spielt.“ Aber dass Rafael in Deutschland so große Probleme habe, „das ist bei so einem Jungen eine Schande“. Und dass ihn jetzt Manager Hoeneß „einen Lichtblick“ nennt, nun ja, es ist ein zweifelhaftes Lob. Als Rafael in Leverkusen eingewechselt wurde, lag Hertha 0:4 hinten.

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