Sport : Ein lichter Moment

Hertha BSC gewinnt 1:0 gegen Frankfurt und bleibt bis zur Rückrunde auf Platz fünf

Michael Rosentritt

Berlin - Christian Gimenez war lange nicht zu sehen. Herthas argentinischer Leihstürmer konnte wegen einer Verletzung in der Wade wochenlang nicht spielen. Und auch gestern, als er das erste Mal seit dem 11. November wieder in der Startelf der Berliner stand, mussten ihn die 42 549 Zuschauer im Olympiastadion lange Zeit suchen. Eine Stunde war das Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt alt, da stand Gimenez genau richtig. Mit einer hübschen Körpertäuschung ließ er seinen Gegenspieler Aleksandar Vasoski auf dem falschen Fuß zurück, und erzielte aus Nahdistanz das einzige Tor des Tages. Mit dem 1:0 (0:0)-Sieg über die Hessen bleibt Hertha BSC im eigenen Stadion zwar ungeschlagen und überwintert auf einem Uefa-Cup-Platz, doch die Leistung der Berliner war gestern beklagenswert.

Am Tag zuvor war bei Hertha ein 25-minütiger Teil der abschließenden Übungseinheit im Dunkeln geblieben. Der Herr mit dem Schlüssel zum Lichtkasten war nicht aufzufinden gewesen. Wenn es gestern im Olympiastadion zu einem ähnlichen Malheur gekommen wäre, die Zuschauer hätten wenig bis gar nichts verpasst. Genau genommen war das Tor von Gimenez der einzige helle Moment eines weitgehend ereignisfreien Spiels. Eigentlich hätte der Argentinier schon nach einer halben Stunde sein fünftes Saisontor erzielen müssen, doch nach einer guten Vorarbeit seines Sturmpartners Marko Pantelic zauderte Gimenez aus Nahdistanz zu lange. Pantelic selbst hatte nach einer Viertelstunde mit seinem strammen Schuss aus vollem Lauf nur den Pfosten getroffen. Mehr Torchancen erspielten sich die Berliner in ihrem schwächsten von acht Heimspielen nicht.

„Unser Ziel war, Druck zu machen. Das ist uns nicht gelungen“, sagte Herthas Trainer Falko Götz knapp. Zwar versuchte seine Mannschaft das Spiel schnell zu machen, aber gegen die gut organisierten und auf Konter lauernden Frankfurter gelang das so gut wie gar nicht. Auf der Spielmacherposition blieb Kevin-Prince Boateng ebenso blass wie Chinedu Ede und Ashkan Dejagah auf den Außenpositionen im Mittelfeld. Herthas Nachwuchs konnte sein Potenzial im letzten Bundesligaspiel des Jahres noch nicht einmal andeuten.

„Leider haben wir unsere gute Leistung nicht belohnt bekommen“, sagte der Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel hinterher. „Wir haben gute Konter gefahren, aber das Wichtigste, den erfolgreichen Torabschluss, vergessen.“ Tatsächlich sah das Spiel der Eintracht etwas klarer aus. Sie gewannen mehr Zweikämpfe und hatten mehr Ballbesitz als die Gastgeber. Die Frankfurter, die am vergangenen Dienstag nach aufwendigem Kampf aus dem Uefa-Cup ausgeschieden waren, mühten sich nach Kräften. Doch während in der Anfangsphase der frühere Herthaner Benjamin Köhler am Berliner Torhüter Christian Fiedler gescheitert war, so strich in der Schlussphase ein Schuss des eingewechselten Stürmers Michael Thurk knapp über die Latte.

„Das Spiel war sicherlich kein Leckerbissen“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich und fand eine recht diplomatische Umschreibung für die Darbietungen auf dem Rasen. Selbst mit der glücklichen Führung im Rücken wurde das Spiel der Berliner weder ruhiger noch sicherer. Eher war das Gegenteil der Fall, doch irgendwie retteten sich die einfallslosen Berliner in die Bundesliga-Winterpause. Herthas Manager Dieter Hoeneß kramte nicht weiter nach Erklärungen, sondern beließ es beim Wesentlichen aus Sicht der Berliner: „Das Beste an diesem Nachmittag waren die drei Punkte.“

Ganz zu Ende ist das Fußballjahr aber noch nicht. Am Dienstag spielt Hertha im Achtelfinale des DFB-Pokals beim Regionalligisten VfL Osnabrück. „Diese Aufgabe wollen wir noch erfüllen“, sagte Hoeneß, ehe auch er im Dunkel verschwand.

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