Sport : Ein Liebling geht

Mit Mithat Demirel verlässt eine Identifikationsfigur Alba Berlin – dafür kommen Nationalspieler Demond Green und wahrscheinlich Mike Penberthy

Benedikt Voigt

Berlin – Es dauerte, bis sich Mithat Demirel endgültig entschieden hatte. Seit fünf Wochen hatte er ein Angebot seines langjährigen Klubs Alba Berlin vorliegen. „Aber das war für mich nicht interessant“, sagt der 27-jährige Aufbauspieler. Ein Gespräch am Montag auf der Geschäftsstelle änderte nichts mehr. Gestern nun sagte Demirel: „Ich werde in der nächsten Saison nicht für Alba spielen.“

Ein Basketball-Nationalspieler verlässt den Verein, dafür kommt ein anderer: Demond Green von den Bayer Giants Leverkusen. „Er hat erst mit 16 Jahren mit dem Basketball angefangen, bei ihm habe ich das Gefühl, dass die Decke noch nicht erreicht ist“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi. Der 26-Jährige spielt auf der Position von Stefano Garris, der nach Frankfurt gewechselt ist. Zudem steht die Verpflichtung des wurfstarken Aufbauspielers Mike Penberthy offenbar kurz bevor. Die italienische Zeitung „Il Messagero Veneto“ meldete am Montag, dass der Amerikaner Snaidero Udine abgesagt habe, weil er demnächst bei Alba unterschreiben wolle. Penberthy spielte für die Los Angeles Lakers und die Hamburg Tigers, wo Albas Marketing-Manager Carsten Rühe als Manager fungiert hat. Baldi will zum Thema Penberthy nicht viel sagen. „Wir melden Verpflichtungen erst, wenn sie perfekt sind.“

Die Personalie des gestrigen Tages aber war Mithat Demirel. „Wir wollten ihn halten, aber nicht um jeden Preis“, sagt Baldi. Der Aufbauspieler war eine Identifikationsfigur im Verein, abgesehen von zwei Jahren in Bursa und Weißenfels hat er seine gesamte Karriere für TuS Lichterfelde und Alba Berlin gespielt. Der Treuefaktor hat jedoch bei dem Vertragsangebot eine untergeordnete Rolle gespielt. „Es muss auch eine gewisse Performance da sein“, sagt Baldi und spielt darauf an, dass der Nationalspieler in den letzten zwei Jahren oft verletzt war. Zuletzt in der Bundesliga erzielte er in 23 Spielen durchschnittlich 6,8 Punkte. Eigentlich wollte der 1,80 Meter große Spielmacher in Berlin bleiben, doch das aktuelle Angebot war ihm zu wenig attraktiv. Dabei macht er deutlich, dass es ihm sonst nicht ums Geld ging. „Wenn ich nur auf die Finanzen gesehen hätte, hätte ich in den letzten vier Jahren keine einzige Saison in Berlin verbracht“, sagt Demirel. Genaue Angaben über das Angebot wollte er nicht machen. Baldi sagt: „Es war für einen deutschen Nationalspieler angemessen.“ Nun sucht Demirels Agent Geert Hammink nach einem neuen Verein. Baldi sagt, er könne sich vorstellen, dass Demirel irgendwann zu Alba zurückkehren werde.

Nach Kotrainer Burkhardt Prigge, der künftig für die Alba AG arbeiten wird, und Garris hat also ein weiterer Getreuer den Verein verlassen. Garris und Demirel zählten zu den Publikumslieblingen in Berlin. Diese fehlen nun, doch Baldi findet: „Man kann auch in zwei Spielen zum Publikumsliebling werden, das hat Mamic im letzen Jahr gezeigt.“

Mit der Verpflichtung von Demond Green erfüllt der Verein einen Wunsch von Trainer Henrik Rödl. Dieser möchte in der kommenden Saison schnell spielen lassen. Falls Penberthy kommt, fehlen Alba noch ein erster Aufbauspieler und ein Centerspieler. Die Verantwortlichen haben nun die Mannschaft komplett umgekrempelt. Aus dem Team, das 2003 letztmalig den Meistertitel nach Berlin holte, sind nur noch Jovo Stanojevic und der Rückkehrer Quadre Lollis dabei. Sogar das Trainerteam hat der Verein ausgetauscht. Ein Ausdruck dessen, wie schwer es die Klubführung getroffen hat, in der Meisterschaft zweimal im Halbfinale gescheitert zu sein. „Wir haben zwei Jahre nichts gewonnen“, sagt Baldi, „jetzt wollen wir angreifen.“ Ohne Demirel.

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