Sport : Ein logischer Triumph

Atletico Madrid gewinnt mit 3:0 das Finale der Europa League gegen Athletic Bilbao.

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Mit der Hilfe von oben. Madrids Spielmacher Diego (M.) bedankt sich nach seinem Treffer beim lieben Gott. Doppeltorschütze Falcao (l.) stimmt mit ein. Foto: dpa
Mit der Hilfe von oben. Madrids Spielmacher Diego (M.) bedankt sich nach seinem Treffer beim lieben Gott. Doppeltorschütze Falcao...Foto: dpa

Es war die Nacht der Spanier in Bukarest, aber sie stand ganz im Zeichen eines Kolumbianers. Radamel Falcao Garcia Zarate schoss die beiden ersten Tore beim 3:0 (2:0) von Atletico Madrid gegen Athletic Bilbao im Finale der Europa League. Das dritte gelang kurz vor Schluss dem früheren Bremer und Wolfsburger Diego. Vor 52 347 Zuschauern im neuen Nationalstadion war es für Atletico der zweite Erfolg im kleineren der beiden europäischen Wettbewerbe nach dem Finalsieg über den FC Fulham 2010 in Hamburg. Auch für Falcao war es ein Da Capo und dazu ein geradezu logischer Triumph.

Im vergangenen Jahr hatte der 26 Jahre alte Stürmer aus Santa Marta in der Europa League 14-mal getroffen, natürlich auch zum 1:0-Sieg des FC Porto im Finale von Dublin gegen den SC Braga. Nach dem Wechsel zu Atletico waren es in dieser Saison inklusive Endspiel immerhin zwölf Tore. Die Europa League ist sein Wettbewerb, aber wer so oft und regelmäßig und spektakulär trifft, ist natürlich auch für die Klubs der Champions League interessant. Wettbewerbsübergreifend kommt Falcao in dieser Saison schon auf 35 Tore. Nicht ganz so viele wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, aber allemal herausragend. Da Atletico traditionell in finanziellen Schwierigkeiten steckt, ist ein erneuter Wechsel Falcaos kaum auszuschließen.

Es wäre eine dramatische Schwächung für die Roji-Blancos, die Rotweißgestreiften, die in Madrid immer ein wenig im Schatten des Meisters Real stehen. Über welche Qualitäten dieser Falcao verfügt, das war geradezu programmatisch schon in der ersten nennenswerte Szene nach sechs Minuten zu sehen. Am linken Strafraumeck bekam er von Diego den Ball, was auf den ersten Blick nicht weiter gefährlich aussah. Falcao machte erst einmal gar nichts. Als aber Bilbaos Defensive in hektische Betriebsamkeit verfiel und sich plötzlich eine minimale Lücke auftat, ließ Falcao den rechten Fuß über den Ball kreisen, legte ihn sich auf den linken und hatte auch ein wenig Glück, dass sein Gegenspieler Jon Aurtenexte ausrutschte. Im perfekten Moment zirkelte er den Ball ins linke obere Dreieck. Ein großartiges Tor, für das er sich mit beiden in den Himmel gestreckten Zeigefingern an höherer Stelle bedankte.

Auch Diego Simeone setzte nach kurzem Torjubel seine Fingerspitzen ein, allerdings eher rational. Atleticos Trainer tippte sich gegen die Stirn – intelligent spielen, bloß nicht übermütig werden. Simeones Sorge basierte im Allgemeinen auf Bilbaos geschicktem Kurzpassspiel und im Besonderen auf Fernando Llorente. In seiner Statur und mit seinen Bewegungen erinnert Athletics Stürmer ein wenig an den jungen Fernando Torres, als dieser noch für Liverpool Tore schoss und nicht bei Chelsea auf der Bank saß. Llorente war kaum zu halten. Einmal schlang Madrids Verteidiger Diego Godin im Strafraum beide Arme um ihn, aber Llorente kam doch irgendwie mit dem Kopf an den Ball und drückte ihn knapp neben den Pfosten. Ein anderes Mal entwischte er nach Ander Iturraspes Flanke und schoss volley vorbei. Gleich darauf stürmten aus dem Publikum zwei Flitzer auf den Platz, mit denen die Ordner ähnliche Probleme hatte wie die jeweiligen Abwehrreihen mit Llorente und Falcao.

Es war dieses Finale auch das Fernduell zwischen den beiden Stümern mit der Nummer neun auf dem Rücken, und nach einer guten halben Stunde hatte es einen Sieger gefunden. Falcaos zweites Tor war ähnlich beeindruckend wie das erste. Diesmal stand er nach Arda Turans Eingabe mit dem Rücken zum Tor und streichelte den Ball zur Vorbereitung mit der rechten Sohle, worauf gleich drei Basken ins Leere rutschten, unter ihnen auch wieder der bedauernswerte Aurtenexte. Falcaos Vollzug, abermals mit links, war Formsache.

Draußen ballte Diego Simeone beide Fäuste, wohl wissend, dass sich seine Mannschaft diesen Vorsprung nicht mehr würde abjagen lassen.

Bilbao hatte zwar mehr vom Spiel, vor allem in der lange Zeit sehr einseitigen zweiten Halbzeit. Aber die Basken schluderten mit ihren zwei, drei Torchancen, und der künstlerische Wert allein ermöglicht keine Siege. Madrid stand hinten nicht immer sicher, aber kompakt genug. Fernando Llorente konnte kaum noch die Wucht der ersten halben Stunde ausspielen. Und Falcao? Wurde getreten und gejagt, was ihn zehn Minuten vor Schluss nicht daran hinderte, noch einmal den Pfosten zu treffen. Kurz darauf machte es Diego aus beinahe identischer Position noch ein bisschen besser. Die Party konnte beginnen.

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