Sport : „Ein Logo darf nicht nerven“

Klaus Dufke, Designprofessor an der Fachhochschule in Potsdam, nimmt für uns das Logo der Europameisterschaft unter die Lupe.

Stilblüten. Die Aussage des Logos kommt beim Experten gut an.
Stilblüten. Die Aussage des Logos kommt beim Experten gut an.Foto: dapd

Herr Dufke, erinnert Sie das EM-Logo nicht eher an die Bundesgartenschau als an Fußball?

Im Vergleich zu den Logos der vergangenen Turniere finde ich das aktuelle Motiv recht gelungen. Erinnern Sie sich noch an den stilisierten Fußballer in belgischen und holländischen Landesfarben von 2000? Der sah doch aus wie ein Handtuch an der Wäscheleine. Auch die Alpensilhouette der EM in Österreich und der Schweiz hatte wenig Charakter. Vom Logo des „Sommermärchens“ möchte ich gar nicht erst sprechen…

Trotzdem: Glauben Sie, dass ein Pflanzenmotiv bei Fußballfans gut ankommt?

Das müssen Sie die Fans fragen. Wer die Vorrunde intensiver verfolgt hat, wurde mit dem Logo jedenfalls schon viele hundert Mal konfrontiert, zum Beispiel in den Trennern vor und nach jeder Zeitlupe.

Und, geht es Ihnen nicht auf die Nerven?

Bislang zumindest nicht. Und das ist ein Maß, an dem sich eine Logoanimation messen lassen muss: Ab wann fängt es an zu nerven? Das Logo trifft mich in einer ganz neuralgischen Situation: Soeben wurde mein „Held“ Mesut Özil brutal von den Beinen geholt, und jetzt sehe ich die Szene in Superzeitlupe – da will ich nicht genervt werden. Davon abgesehen finde ich die Geschichte, die das Logo erzählt, recht charmant.

Die Geschichte?

Eine Pflanze mit zwei Blättern in den Nationalfarben der Gastgeberländer, dazu der Fußball als zentrale „Blüte“ – dechiffriert heißt das doch: Unsere Leidenschaft und Emotionen haben gemeinsame Wurzeln. Die verantwortliche Agentur interpretiert natürlich noch mehr in ihr Logo hinein. Der Stiel der Pflanze soll beispielsweise die strukturelle Komponente, die Uefa, symbolisieren.

Bei den Fernsehübertragungen dürfen wir eine animierte Rankpflanze bewundern, aus der EM-Pokal, Stadien und sogar Schiedsrichterpfeifen sprießen.

Das ist schon sehr verspielt, aber zumindest eine stimmige Erweiterung des Logos. Handwerklich ist an dieser Sequenz jedenfalls wenig zu bemängeln. Der Rest ist Geschmackssache.

Das gilt wohl auch für die wild bemusterten Hintergrundwände in Lila.

Darin entdecke ich immer wieder neue Motive. Stadien, Bälle, Fans und Spieler – stellvertretend für zentrale Themen wie Rivalität oder die Eintracht der Fans bei so einem Turnier. Man kann der verantwortlichen Agentur jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie sich keine Gedanken gemacht hätte.

Die Fragen stellte Jörn Lange.

„Die Animation ist verspielt, aber handwerklich gut“

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