Sport : Ein Machtwort, bitte!

Friedhard Teuffel

Dem Sport täten jetzt wohl noch ein paar prominente Dopingfälle gut. Vielleicht sollte mal ein Fußball-Nationalspieler erwischt werden. Oder eine ganze Mannschaft. Das könnte den derzeit entscheidenden Mann in der deutschen Dopingdiskussion beeindrucken: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Er könnte nämlich den Startschuss geben zum Großreinemachen im Sport – mit einem Gesetzesentwurf, in dem der Staat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel gegen Doping einsetzt.

Über ein staatliches Vorgehen gegen Doping wird seit zehn Jahren diskutiert, der Fall Jan Ullrich in diesem Jahr hat aus den Diskussionen immerhin Verhandlungen gemacht. Am Ende dieser Verhandlungen schien das Ergebnis zu stehen: Der Staat verfolgt die Hintermänner, der Sport bestraft die Athleten. Am Mittwoch traf sich Schäuble nun mit dem Leichtathletikpräsidenten Clemens Prokop. Der fordert derzeit am lautesten, dass auch die Athleten bestraft werden müssten, schließlich werde Betrug in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch vom Staat verfolgt, warum also nicht im Sport.

Dem kann Schäuble in der Tat etwas abgewinnen, denn er hat jüngst erklärt, dass Spitzensportler keine unmündigen Kinder seien. Also sei nicht einzusehen, dass sie sich nicht auch strafbar machen könnten. Dagegen wehrt sich aber der Deutsche Olympische Sportbund, und gegen den Dachverband des Sports will sich Schäuble nicht durchsetzen. Doch warum eigentlich nicht? Schäuble sollte wissen, dass Sportfunktionäre nicht immer im Interesse des Sports handeln. Der Sport hat genug Zeit gehabt, sich selbst zu schützen. Jetzt muss ihn der Staat vor sich selber schützen.

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