Sport : Ein Mann, ein Check

Erik Cole ist auf fragwürdige Weise zum Idol der Eisbären-Fans geworden – heute will der Eishockeystürmer in Ingolstadt zeigen, was er sonst noch kann

Claus Vetter

Berlin - Erik Cole ist dieser Tage besonders mitteilungsbedürftig. So ist der Mensch, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Eine Szene im vierten Viertelfinalspiel um die deutsche Meisterschaft zwischen Augsburg und den Eisbären ist es, über deren Bewertung der Eishockeyprofi Erik Cole sich noch immer aufregen kann. Der Berliner Stürmer hatte Gegenspieler Arvids Rekis gecheckt. Der Augsburger prallte mit dem Kopf aufs Eis und erlitt eine Gehirnerschütterung, und Cole verstand die Welt der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht: Die Liga sperrte den Außenstürmer nach dessen Attacke für sechs Partien. „Ich weiß nicht, warum die das gemacht haben", sagt Cole. Denn in der National Hockey League (NHL), dort wo Cole in den vergangenen Jahren für die Carolina Hurricanes stürmte, „hätte niemand etwas gesagt. Denn das war ein fairer Check“.

Doch DEL ist nicht NHL. Cole hat es lernen müssen, nachdem er sich im Herbst entschied, den Saisonausfall in der NHL in Berlin zu überbrücken. Er weiß nun, „dass in der DEL anders gepfiffen wird – und dass hier sehr gutes Eishockey gespielt wird“. Coles Anlaufprobleme schlugen sich in seiner Statistik der Hauptrunde nieder. Sechs Tore in 39 Spielen in der DEL, das ist wenig für einen, der in 237 NHL-Partien 54 Tore erzielt hat. Und doch ist Cole längst bei den Eisbären angekommen. „Guter Klub und vor allem: gute Fans“, sagt er. Nach der Sperre durch die DEL fühlten sie sich in Berlin ungerecht behandelt, feierten die Anhänger trotzig Erik Cole beim ersten Halbfinalspiel in Sprechchören und sammelten sogar, um die von der DEL verhängte Geldstrafe (4000 Euro) zu bezahlen. „Als ich in unsere Halle kam, hatte ich den Kopf unten. Als ich nach Hause ging, hatte ich ihn oben“, sagt er.

Und doch will Cole mehr sein als einer, der durch einen Check zum Liebling der Fans wurde. „Es war brutal, das erste Auswärtsspiel gegen Ingolstadt im Fernsehen zu schauen. Ich wusste: Verlieren wir da, verlieren wir am Donnerstag, dann ist meine Saison bei den Eisbären beendet, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.“ Die Eisbären verloren nicht, glichen in der Serie „Best of five“ aus und führen nach dem 4:2-Erfolg am Donnerstag nun 2:1 gegen Ingolstadt. Heute haben sie die Chance, mit dem dritten Sieg gegen die Bayern in Ingolstadt (14.30 Uhr, live bei Premiere) den Einzug ins Finale zu schaffen. Cole kann ihnen dabei nun helfen. Seine Sperre ist abgelaufen – nach vier Spielen. Weil die Berliner Protest einlegten, die Sperre reduziert wurde.

Vielleicht hat ihm sein temporärer Ausschluss sogar gut getan. Vor kurzem noch sagte er, dass er nach der DEL-Saison in die USA zurückkehren würde, „weil ein Freund von mir heiratet“. Nun hat Erik Cole ein Problem. Peter Laviolette, Trainer vom Team USA, hat gerade sein Aufgebot für die Weltmeisterschaft im Mai in Österreich verkündet. Cole ist dabei, erstmals überhaupt. Vorher absolviert er noch seine Abschiedstournee für die Eisbären. Es sei denn, die NHL spielt auch kommende Saison nicht. „Wir halten einen Platz für ihn offen“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. Cole würde gerne wiederkommen – wenn in der NHL nicht gespielt wird. „Ich habe mich gegen Ende einer Saison selten so gut gefühlt wie jetzt. In der NHL kommst du nach 80 Spielen im Frühling kaum noch in die Schlittschuhe, so sehr schmerzen die Füße. Da ist das Programm hier schon angenehmer.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar