Sport : Ein Mann, ein Treffer

Tomasson? Grönkjaer? Der Star des ersten Spieltages war ein anderer Däne: Schalkes neuer Stürmer Sören Larsen überzeugte gleich beim ersten Auftritt

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Er hat es besser gemacht als seine berühmteren Landsleute. Die Dänen Jon Dahl Tomasson und Jesper Grönkjaer vom VfB Stuttgart warten noch auf ihren ersten Treffer in der neuen Saison. Sören Larsen musste zwar beim 2:1-Sieg des FC Schalke 04 über den 1.FC Kaiserslautern lange warten, ehe er eingreifen durfte. Dann aber verschaffte sich der Däne in Diensten des FC Schalke 04 ein Entree, wie es besser nicht hätte sein können: Ein Mann, ein Schuss, ein Treffer. Larsen nutzte seinen ersten Ballkontakt nach seiner Einwechslung entschlossen zum Ausgleich. „Als ich auf der Bank saß, habe ich geträumt, du wirst eingewechselt und machst das 1:1.“ Wenig später war die Grenze zwischen Wunsch und Wirklichkeit aufgehoben.

Dabei ist er noch nicht hundertprozentig fit. Vor vier Wochen erst musste er am Knie operiert werden, ihm fehlt noch die Fitness, ein halbes oder gar ein ganzes Spiel durchzustehen. Er habe dem Trainer gesagt, dass die Kraft nur für 25 Minuten reiche. In den knapp 20 Minuten, die er spielte, zeigte er, warum Schalke ihn unbedingt verpflichten wollte. Der 1,94 Meter große Athlet besitzt das, was sonst guten Torhütern bescheinigt wird: Strafraumbeherrschung. Bevor Larsen seinen neuen Arbeitsplatz betrat, hatten die Schalker zwar viele Chancen gehabt, „aber es war stets der richtige Mann am falschen Ort“, sagte Cheftrainer Ralf Rangnick.

Sören Larsen indes zeigte den Instinkt eines klassischen Mittelstürmers. Im Brennpunkt des Sechzehnmeterraums schlug er unerschrocken zu, als er die für das Fußballspiel wichtigsten Elemente, Ball und Tor, in seiner Nähe sah. „Da habe ich gedacht, warum soll ich nicht einfach schießen?“ Verteidiger Mladen Krstajic veredelte den Ausgleichstreffer durch sein Siegtor umgehend. Halil Altintop hatte Kaiserslautern in Führung gebracht.

Larsens starke Präsenz in Tornähe verleitet den Schalker Manager Rudi Assauer zu einem martialischen Vergleich. „Wenn seine Entwicklung weitergeht, kann er für uns zu einer Waffe werden.“ Der Waffenschein ist für die nächsten vier Jahre auf den FC Schalke 04 ausgestellt; solange läuft Larsens Vertrag mit dem Revierverein.

Der Stürmer sagt, er habe unbedingt nach Schalke gewollt, zu dem Klub, für den seit einigen Jahren Ebbe Sand kickt. Sand ist noch immer einer profiliertesten Spieler des dänischen Fußballs, auch wenn er als Nationalspieler inzwischen zurückgetreten ist. Er hat den zehn Jahre jüngeren Larsen zum Schalke-Fan gemacht. Sand kennt seinen neuen Kollegen nicht näher, sagt aber, er würde sich freuen, wenn nach Ablauf der gemeinsamen Zeit in Schalke, ein Landsmann seinen Platz einnehme.

Es war für Schalke nicht einfach, Larsen zu bekommen. Als der dänische Nationaltrainer Morton Olsen den 23-Jährigen im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien zum ersten Mal von Anfang einsetzte, saßen auch Assauer und Rangnick auf der Tribüne – um einen Verteidiger zu beobachten. Larsen erzielte in seinem zweiten Länderspiel zwei Kopfballtore, und es begann ein wochenlanges Geduldsspiel zwischen seinem Arbeitgeber Djurgarden IF Stockholm und dem Bundesligaklub. Die Schweden fühlten sich nicht an die Ausstiegsklausel gebunden, die einen Wechsel gegen eine Ablöse von 1,2 Millionen Euro vorsah. Um einen Rechtsstreit zu vermeiden, erhöhte der FC Schalke sein Angebot, gegen seine ursprüngliche Absicht, um etwa eine Million Euro.

Bei der Einkleidung zeigte Larsen sich so selbstbewusst wie später auf dem Fußballplatz. Ursprünglich hatte er mit der Nummer siebzehn geliebäugelt. Als Assauer jedoch auf die Vakanz bei der Nummer neun hinwies, griff der neue Stürmer zu. Das sei die Ziffer, hinter der sich ein richtiger Torjäger verberge. Die Nummer neun haben beim FC Schalke Volkshelden wie Klaus Fischer oder Youri Mulder getragen. Dieser Herausforderung will Larsen sich gerne stellen.

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