Sport : Ein Mann schlägt alles

Dank Tiger Woods ist die Popularität des Golfs in den USA größer denn je – selbst Football und Baseball könnten übertroffen werden

Petra Himmel[Chicago]

Es wäre wahrscheinlich wunderbar für viele Programmdirektoren der US-Fernsehanstalten, wenn Tiger Woods nicht nur Golf, sondern auch noch Football spielen würde. Schließlich ist Football die Lieblingssportart der US-Amerikaner und garantiert hohe Einschaltquoten. Allerdings macht das seit geraumer Zeit auch der professionelle Golfsport – dank Tiger Woods. Nur ein Beispiel aus diesem Monat: Anfang August verfolgten das Match der Football-Liga NFL zwischen Oakland und Philadelphia 5,4 Millionen amerikanische Haushalte, ein Autorennen der Nascar-Serie 3,7 Millionen, den Schlusstag der Buick Open im Golf 3,3 Millionen. Die Tatsache, dass Tiger Woods an diesem Sonntag einen Sieg holte, führte zu einem rasanten Sprung bei den Einschaltquoten. Ein Jahr vorher, als Woods das Turnier nicht gewann, saßen 23 Prozent weniger vor dem Fernseher.

An diesem Sonntag nun hat Golf das Zeug zum Sieger, geht es um den Vergleich mit Football, Baseball oder Autorennen. Bei der US-PGA-Championship im Medinah Country Club in Chicago kämpft seit Donnerstag nicht nur Woods um seinen zweiten Major-Titel dieses Jahr, es kommt vor allem zum seltenen Aufeinandertreffen mit Phil Mickelson. Die zwei Führenden der Weltrangliste in einem Starterfeld, womöglich im Kampf um den Titel, das bewegt Sponsoren, größere Geldsummen für eine Golfveranstaltung hinzublättern. Bei der US-PGA-Championship geht es um ein Gesamtpreisgeld von 6,5 Millionen Dollar – allerdings allein finanziert von der US-PGA. Doch auch bei normalen Tourturnieren sind in den vergangenen zehn Jahren, seit dem Wechsel Tiger Woods ins Profilager, die Preisgeldsummen explodiert. Drei Millionen Dollar sind die Minimalausstattung in diesem Jahr. Zum Vergleich: Auf der European Tour der PGA hat mehr als die Hälfte aller Turniere deutlich weniger Preisgeld aufzuweisen.

„Wenn Tiger Woods bei einem Turnier mitspielt und dann noch in der Finalrunde vorne dabei ist, steigt die Einschaltquote gegenüber einem normalen Wert um 30 bis 50 Prozent“, analysiert der frühere Präsident von CBS Sports, Neal Pilson. Sean McManus, sein Nachfolger, kann das nur bestätigen: „Ich kann mich an keinen Sportler erinnern, vielleicht mit Ausnahme von Michael Jordan, der die Anzahl der Menschen, die eine Übertragung verfolgen, ähnlich dramatisch beeinflusst hat.“ Vor allem aber zieht er Leute vor den Fernseher, die sonst kein Golf sehen.

Kein Wunder also, dass der Preisgeldsegen auf der US-PGA-Tour, auf der Tiger Woods weitgehend aktiv ist, auf absehbare Zeit kein Ende nimmt. Vielmehr hat die Tour in diesem Jahr neue Fernsehverträge mit NBC, CBS und dem Golf Channel für die Jahre 2007 bis 2012 abgeschlossen, die 600 Millionen Dollar mehr in die Kassen bringen, 35 Prozent mehr als in den vergangenen fünf Jahren.

Das zusätzliche Geld wird ab 2007 beim neu geschaffenen FedEx-Cup verteilt, dessen Gewinner ein Bonuspreisgeld von zehn Millionen Dollar erhält. Zur FedEx-Serie zählen insgesamt 39 Turniere. In den von Januar bis Herbst ausgetragenen Turnieren qualifizieren sich am Ende nur die besten 144 Spieler, für die Tour Championship sogar nur 30. Durch die Reduzierung der Turniere insgesamt und die Einführung von Play-offs erhoffen sich die Organisatoren ein häufigeres Aufeinandertreffen der Stars wie Woods oder Mickelson. „Für den Golfsport ist das eine aufregende Zeit“, sagt Woods. Tim Finchem, Chef der US-PGA-Tour, kann sich kein besseres Szenario vorstellen: „Unser Sport ist auf lange Sicht ganz auf Wachstum ausgerichtet und dahingehend sehr gut positioniert.“ Will heißen: Der Geldsegen nimmt kein Ende.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben