Sport : Ein Mann soll träumen

Was sich die Eisbären von Jeff Jillson erhoffen

Claus Vetter

Berlin - Im nordamerikanischem Eishockey wird kaum Rücksicht auf die Wünsche angehender Profis genommen. Jahr für Jahr sichern sich die Klubs der National Hockey League (NHL) im „Draft“ die Rechte an Nachwuchsspielern, die dann ihre Karriere in einem bestimmten NHL-Klub beginnen müssen oder im Einzel- oder Multipack im Tausch zu anderen Klubs verschoben werden. Wer nicht gut genug ist, den muss man loswerden. So war es im Falle Jeff Jillson, einem Profi der Buffalo Sabres. Er sollte zum Farmteam nach Rochester gehen, ging aber nicht dorthin. Buffalos Manager Darcy Regier sagte daraufhin: „Ich will die Rechte an ihm loswerden. Besser gestern als heute, wenn sich nur etwas findet.“ Es fand sich aber kein Klub in der NHL für den Verteidiger, nur einer in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Heute um 7 Uhr 40 landet der neue Eisbären-Verteidiger Jillson in Tegel.

Die Karrieredaten des smart ausschauenden, 1,91 Meter großen, 26 Jahre alten Mannes aus dem US-Bundestaat Rhode Island weisen ein Gefälle auf: In der ersten Draft-Runde sicherten sich die San Jose Sharks 1999 die Rechte an ihm – das deutete auf großes Talent hin. Ein Jahr später gehörte Jillson zum Team der USA bei der Junioren-WM, 2001 war er mit 52 Einsätzen fast schon Stammspieler in San Jose, dann aber ging es ins Farmteam, später nach einer mäßigen NHL-Saison in Boston nach Buffalo. Vergangene Saison hat Jillson fast nur für Rochester in der American Hockey-League (AHL) gespielt. Die AHL aber, sagt Eisbären-Trainer Pierre Pagé, sei nichts für einen Spieler, der sich weiterentwickeln will. „Da versauern die nach zwei, drei Jahren nur.“

Für die Eisbären wird Jillson heute gegen Hamburg (19 Uhr 30, Sportforum) noch nicht spielen. Frühestens Sonntag gegen Köln soll er zum Einsatz kommen. Es wird sich lohnen, sagt einer seiner Landsleute bei den Eisbären: Andy Roach, der mit Jillson 2004 im Team USA WM-Dritter wurde. „Jeff ist ein netter Kerl“, sagt Roach. „Er ist ein sehr stabiler Verteidiger, der vielleicht nicht so viele Tore schießt. Aber Tore schießen wir ja schon genug.“ Das stimmt, allerdings haben die Berliner in dieser Saison auch schon viele Treffer kassiert – 58 in 16 Spielen. Schon daher sei ein defensivstarker Spieler willkommen, sagt Pagé. Der Trainer hofft, dass Jillson trotz der Sache in Buffalo den Glauben an die große Karriere nicht verloren hat. „Denn wenn ein Spieler keinen Traum mehr hat, dann wird es schwer“, sagt Pagé. „Ein Traum ist nämlich immer Motivation.“

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