Sport : Ein Meister des Abschieds

Frank Bachner

Das Dumme bei sportlichen Seriensiegern ist, dass sie irgendwann zurücktreten müssen. Und im Grunde gibt es für sie nur zwei mögliche Abschiede: Gehen sie als Held? Oder als tragische Figur? Alles eine Frage der letzten Eindrücke, die sich andere von ihnen machen. Für Michael Schumacher lässt sich die Frage schon jetzt ziemlich sicher beantworten: Er geht am Saisonende als strahlender Held.

Zu seinem angekündigten Abschied gab es früh die unvermeidliche Begleitmusik: Er könne sich nicht mehr richtig konzentrieren, er stehe den Druck nicht mehr durch. Jetzt wird Schumacher vielleicht sogar noch Weltmeister, aber das ist eigentlich fast egal. Denn wenn er sich in den letzten Rennen nicht noch grobe Schnitzer leistet oder unfaire Tricks anwendet, bleibt er in der Erinnerung vieler Fans jene sportliche Legende, zu der ihn seine sieben Titel ohnehin machen – selbst wenn er am Ende Zweiter würde.

Mit seinem fulminanten Sieg in Schanghai ist er schließlich der Mann, der Alonso zwischenzeitlich die Führung abgenommen, 25 Punkte Rückstand aufgeholt und die WM so ungemein spannend gemacht hat. Er sorgte für jenen Nervenkitzel, den Fans erwarten. Dass er auch von äußeren Umständen profitierte – in China zum Beispiel von Renaults Risikobereitschaft – ist egal. Solche Details gehen in der Gesamtbetrachtung unter. Schumacher hatte in seiner Karriere getrickst und bisweilen mit unfairen Mitteln gekämpft, stimmt alles. Aber er war auch ein unvergleichlich perfekter Fahrer. Man muss ihn nicht zur menschlichen Übergröße stilisieren, aber wenn man ihn als sportlichen Helden in Erinnerung behält, ist das genau richtig.

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