Sport : Ein Meister hat viel Geduld

Die Eisbären setzen trotz Pleiten auf ihr Konzept

Claus Vetter

Berlin - Der Trainer war grippegeschwächt. Trotzdem ließ es sich Pierre Pagé am Donnerstagmorgen nicht nehmen, das Training beim EHC Eisbären zu leiten. Ein fast banal aufdringliches Bild, das sich prima ausschmücken ließe: Kranker Trainer mit angeschlagener Mannschaft und so weiter. Sechs Mal in Folge hat der zweifache deutsche Eishockey-Titelträger verloren. Eine Bilanz, die andernorts reichen würde, um unpopuläre Fragen nach dem Arbeitsplatz Einzelner zu stellen. Das aber verbietet sich bei den Eisbären, was nicht nur an zwei unter Pierre Pagé errungenen Deutschen Meisterschaften liegt. Nein, bei den Eisbären müsste nicht die Arbeit von Trainer oder Manager, sondern ein ganzes Konzept infrage gestellt werden.

Denn spätestens seit Pagés Amtsantritt im Januar 2002 arbeiten Trainer und Manager Peter John Lee in Berlin mit langfristigen Perspektiven, fördern den Nachwuchs wie kaum ein anderer Klub in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und denken über eine Saison hinaus. Jedenfalls erzählt Pagé das gerne, allerdings ist der erfahrene Kanadier trotzdem zu ehrgeizig, als dass er für sein langfristiges Konzept kurzfristig nicht an den Erfolg denken würde. Pagé will junge Spieler ausbilden und erfolgreich sein. Dass allerdings funktioniert in dieser Saison noch nicht, sieben Niederlagen in zehn Punktspielen haben bei den Eisbären zu einer großen Frustration geführt, wie Kapitän Steve Walker eingesteht. „Verlieren ist ansteckend“, sagt der Angreifer.

Immerhin kennt der erfahrene Kanadier die Situation schon. „Vor sechs Jahren“, sagt Walker, da habe er so eine Serie bei den Eisbären schon mal mitgemacht. „Damals sind wir ja auch aus der Krise herausgekommen. Das geht natürlich nur, wenn man positiv denkt“ – und sich nicht an die Niederlagen gewöhnt. Daher verspricht Walker schnell mal für heute einen Berliner Sieg in der Kölnarena, bei den Haien. Ohne Sven Felski – nach seiner Spieldauerstrafe gegen Ingolstadt ist der Stürmer gesperrt – müssen die Berliner heute auskommen, dafür haben Elia Ostwald und Marius Garten die Chance, sich in der vierten Sturmreihe zu profilieren, wie Manager Lee gestern laut verkündete, bis er von Kotrainer Hartmut Nickel unterbrochen wurde: „Lies das nicht zu laut vor, sonst telefoniert jemand die Aufstellung nach Köln durch.“ Und wenn schon: Die Haie dürfte kaum erschrecken, dass mit Ostwald und Garten zwei 18-Jährige mit wenig DEL-Erfahrung gegen sie stürmen.

Das aber lässt Nickel nicht gelten. „Die beiden sollen ja nicht fünf Tore schießen, sondern erst einmal keine Gegentore zulassen.“ Überhaupt, findet Nickel, seien Formschwankungen bei jungen Spielern, von denen die Eisbären viele haben, „normal“. Und Manager Lee verspricht: „Wir halten unser Konzept mit den jungen Spielern durch, auch wenn wir momentan nach den Niederlagen frustriert sind.“ Ausgerechnet vom heutigen Gegner gibt es übrigens Lob für das Berliner Durchhaltevermögen. „Das Konzept der Eisbären ist vorbildlich“, sagt Kölns Trainer Doug Mason. Da solle man bei ein paar Niederlagen nicht gleich „hyperkritisch“ sein. „Ich rechne fest mit den Eisbären.“ Schon für das heutige Spiel macht Mason das. Und das muss für die Berliner, bei denen Trainer Pierre Pagé trotz Grippe hinter der Bande stehen will, aber nicht unbedingt ein Vorteil sein.

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