Sport : Ein Meister wird beerdigt

Alba Berlin betrauert die schlechteste Saison seit zehn Jahren und bereitet den Umbruch vor

Benedikt Voigt

Berlin - Einem Basketball-Fan, der es unmittelbar nach Spielschluss vor die Umkleidekabine von Alba Berlin schaffte, musste Burkhardt Prigge die neue Situation erklären. „Die Spieler verschenken die Trikots nicht automatisch nach Saisonende“, sagte der Kotrainer von Alba Berlin, „wir machen das nur, wenn wir Meister werden.“ Der ohnehin schon niedergeschlagene Alba-Fan zog eine noch traurigere Miene. Ein Saisonende ohne Spielertrikot, das ist er nicht gewohnt.

Alle müssen sich erst auf diese neue Situation einstellen: Eine Saison endet, und Alba Berlin ist nicht Meister. Seit 1997 gewannen die Berliner jedes Jahr mindestens den Meistertitel, fast schien es ein ungeschriebenes Gesetz im Basketball zu sein, dass am Ende Alba gewinnt. Doch diesmal wird Frankfurt oder Bamberg den Titel holen. Alba hingegen steht nach der desaströsen Niederlage gegen GHP Bamberg (68:93) zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht im Finale. Bambergs Trainer Dirk Bauermann sagte: „Man sollte das nicht überstrapazieren, aber es ist ein historischer Moment.“ Seine Mannschaft hat die Meisterserie mit großartiger Kampfkraft beendet.

Albas Spieler deprimierten jeden, der etwas mit dem Verein zu tun hat. „Eine solche Leistung ist indiskutabel“, sagte Präsident Dieter Hauert. Innerhalb von drei Tagen bot sein Team noch einmal die Extreme, zwischen denen es in dieser Saison pendelte. Am Sonntag begeistert es mit Einsatzwillen, am Dienstag bricht es völlig auseinander. „Warum ist der Siegeswillen nicht auf den Gesichtern der Spieler zu erkennen?“, fragte Hauert. Er kündigte einen Umbruch an. „Mit Sicherheit wird die Mannschaft in der kommenden Saison anders aussehen.“

Nur Guido Grünheid und Mithat Demirel besitzen noch einen Vertrag, vom aktuellen Team empfahl sich nur Centerspieler Jovo Stanojevic für eine Vertragsverlängerung. Der Bamberger Steffen Hamann, der mit 25 Punkten überragende Spieler der fünften Partie, äußerte erneut Wechselabsichten nach Berlin. „Basketball ist ein Geschäft“, sagte der Nationalspieler, „da ist alles möglich.“

Andere Personalien erledigten sich von selbst. Neben Henrik Rödl, der seine Karriere beendete, kündeten Marko Pesic’ Worte von Abschied. „Ich habe meine Entscheidung getroffen“, sagte der 27-Jährige, „ich habe hier sehr gerne gespielt und tolle Menschen kennen gelernt.“ Dann kritisierte er das aktuelle Team. „Wenn ich an Alba denke, denke ich an Rödl, Alexis, Obradovic und Alibegovic“, sagt Pesic, „ Alba braucht Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren.“ Allerdings haben sich Pesic, Stefano Garris und Mithat Demirel, die schon lange für den Klub spielen, in dieser Saison nicht weiterentwickelt.

Auch sie sind schuld daran, dass man sich erstmals seit sieben Jahren nicht für die Europaliga qualifiziert hat. Nur falls Bamberg Meister wird und – wie der Tagesspiegel berichtete – auf sein Teilnahmerecht verzichtet, könnte Alba in der Europaliga starten. „Ich gehe momentan davon aus, dass wir nur im Uleb-Cup spielen“, sagt Baldi. Der Etat für die nächste Saison dürfte dadurch sinken.

Albas Vorgänger als Meister sind für längere Zeit aus den Spitzenrängen verschwunden. Ob Leverkusen, Bayreuth oder Köln. Das will Baldi mit aller Macht verhindern. „Vielleicht war diese Niederlage langfristig hilfreich.“ Denn die Ziele des Vereins enden nicht bei schnöden Meistertiteln. Baldi sagt: „Wir wollen einen Klub bauen, der 100 Jahre alt wird.“ Sollte das gelingen, wird das 14. Jahr in den Annalen sicherlich keine besondere Erwähnung finden.

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