Sport : Ein Mercedes für ein Tor

England unterstützt Israel im Spiel gegen Russland

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Normalerweise findet ein Fußballländerspiel zwischen zwei Nationen statt, heute jedoch ist auch noch eine dritte involvierte: Verliert Israel am Samstag das EM-Qualifikationsspiel gegen Russland, dürfte England in Depression versinken, siegen die Israelis, werden wohl auch die antisemitischsten englischen Skinheads zu Zionisten. In der Gruppe E kämpfen England und Russland um den zweiten Qualifikationsplatz neben Kroatien, das die Tabelle anführt. Die Engländer liegen zwar zwei Punkte vor den Russen, haben aber nur noch ein Spiel gegen das starke Kroatien, während Russland nach Israel nur noch das leichte Spiel gegen Andorra bevorsteht. Aus englischer Sicht also muss Israel heute die Russen besiegen.

Dumm nur, dass England die Israelis in Wembley im September 3:0 besiegt hatte und die Gäste so miserabel spielten, dass die englischen Zeitungen sich überschlugen mit Spott. Doch jetzt benötigt Israel Beistand, und Englands Zeitungen liefern ihn. Auf einmal wird Israels Nationalteam als hoch motiviert und kampfstark beschrieben. Bloß lachen sich jetzt Israels Sportjournalisten schlapp über diese Kehrtwende. Die Artikel werden genüsslich zitiert. Fürs Länderspiel interessiert sich kaum jemand in Israel, für den Rummel darum jeder.

Bei der gleichzeitig auf dem Tel Aviver Rathausplatz stattfindenden Demonstration streikender Lehrer und ihrer Schüler samt Eltern werden mehr Menschen auftauchen als zum Länderspiel. Dabei hat Israel eine Million russischer Einwanderer. Schließlich geht es für die Russen nicht nur auf dem Spielfeld um die Ehre, sondern auch um die Ehrentribüne. Es dürfte die reichste Fußballtribüne aller Zeiten werden. Das Gesamtvermögen aller Oligarchen, die dort Platz nehmen werden, wird auf 50 Milliarden Dollar geschätzt. Angeführt werden sie von Roman Abramowitsch, der die verzwickte Lage symbolisiert. Der russische Milliardär, Besitzer des englischen Spitzenklubs Chelsea mit dem früheren israelischen Nationaltrainer Abram Grant als Coach, soll den Russen Prämien in stratosphärischer Höhe in Aussicht gestellt haben.

Englands Gegenmaßnahmen sind nicht besonders erfolgreich. Israels Torhüter Auwate erhält von einem englischen Spender zwei Karten für ein Konzert mit Barbara Streisand, wenn er kein Tor kassiert. Doch Auwate verkündete schon, dass er mit dem Gesang der „alten Dame“ nichts anfangen könne. Ein israelischer Torschütze würde von einem anderen Spender in England die Schlüssel für einen nagelneuen Mercedes erhalten. Leider müsste der Glückliche aber Zoll und Steuern selber bezahlen. Und die sind in Israel höher als der Neupreis der Edel-Limousine.

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