Sport : Ein Milla auf Mallorca

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Von Karsten Doneck

Der Real Club Deportivo Mallorca, nur haarscharf dem Abstieg aus Spaniens erster Liga entgangen, hat gerade einen neuen Trainer eingestellt. Gregorio Manzano kommt von Real Valladolid auf die Baleareninsel. Der Mann hat Präsident Mateo Alemany gleich mit Forderungen konfrontiert. „Ich weiß nicht, welche Spieler bleiben oder weggehen wollen“, sagte Manzano, „aber auf keinen Fall möchte ich auf Samuel Eto’o und Alberto Luque verzichten.“ Manzano wittert Gefahr. Beide Spieler mischen zurzeit bei der Weltausstellung des Fußballs in Japan und Südkorea mit: Alberto Luque für Spanien, Samuel Eto’o für Kamerun. Und dieser Eto’o hat heute wieder Gelegenheit, sich für weitaus namhaftere Klubs interessant zu machen – durch Tore gegen Deutschland.

Fußball spielen und Tore schießen, das sei ganz einfach, hat Eto’o mal gesagt. Da war er 19 Jahre alt, und aus ihm sprach die jugendliche Unbekümmertheit, mit der er auch seinen Widersachern auf dem Spielfeld zusetzt. Jetzt ist er 21 und geht seinem Beruf schon seit vier Jahren in Spanien nach, seit 1999 auf Mallorca. Sein Durchbruch auf spanischem Rasen ließ indes auf sich warten. Exakt bis zum 9. April 2000. Da traten die Mallorquiner beim FC Barcelona an: der 14. beim Zweiten. 68 000 Zuschauer im Camp Nou diskutierten nur über die Höhe des „Barca“–Sieges. Aber: Mallorca gewann 3:0, Eto’o schoss zwei Tore, gab zum dritten durch Carreras die Vorlage. Der Kameruner war in Spanien endgültig angekommen. „Una tarde magica de Eto’o“, schwärmte Spaniens Presse, ein magischer Abend von Eto’o.

In der folgenden Saison aber tat sich Eto’o erneut schwer, erzielte nur sechs Tore insgesamt. Nur sechs? Nun ja, Real Mallorca kämpfte vom Start weg gegen den Abstieg. Eto’o verriet unter dieser nervlichen Anspannung auch seine ungemütlichen Seiten. Zweimal im Saisonverlauf sah er die Rote Karte. Jedoch bereitete er auch viele, letztlich den Abstieg verhindernde Tore vor.

Schon als 16–Jähriger hatte Eto’o von sich reden gemacht. Er spielte da bereits in Kameruns zweiter Liga bei UCB Douala, setzte als Jugendlicher unter lauter gestandenen Männern Akzente und schoss Tor um Tor. Drei Jahre später wurden bereits großspurige Vergleiche gezogen. Eto’o erinnere an den legendären Roger Milla, schrieb das „African Soccer Magazin“ und wählte für einen ausführlichen Bericht über den jungen Stürmer die martialische Überschrift „Deadly Lion“ – Tödlicher Löwe. Jener Milla ist übrigens seit der WM 1990 in Italien Volksheld in Kamerun.

Auch Kameruns früherer Nationaltrainer Pierre Lechantre pries Eto’o mal in den höchsten Tönen. „Er hat alle Qualitäten“, sagte Lechantre, „er ist ein Torjäger, ein guter Dribbler, behält vor dem Tor kühlen Kopf, hat gute Einfälle.“Beim Afrika-Cup 2000 wurde er mit vier Toren gemeinsam mit seinem Landsmann Patrick Mboma zweitbester Torschütze des Turniers. Als die Kameruner heimkehrten, geriet Premierminister Peter Musonge auf dem Nsimalen Airport in Hochstimmung. „Wir haben einen neuen Star in einer neuen, gewaltigen Mannschaft“, rief Musonge schwärmerisch aus. Der Star, der noch keiner ist: Gemeint war – Samuel Eto’o.

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